Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 141 
nach den Küsten Frankreichs, großer Zukunft entgegen; daheim 
gilt die Demokratie der freien Bauern unter einem kraftvollen 
Königtum. Es sind in Dänemark die Zeiten König Gorms 
(t 936) und seines Nachfolgers Harald Blätand. Diese inneren 
Wandlungen erschwerten es König Otto, die Errungenschaften 
Heinrichs aufrecht zu erhalten. Nun berichtet zwar spätere 
Kunde, Otto habe Jütland siegreich durchzogen und im äußersten 
Norden der Halbinsel zum symbolischen Zeichen der Besitzergrei— 
fung seinen Speer hinaus in die Brandung des Kattegat ge— 
schleudert; aber nur schwer lassen sich in ihr Wahrheit und 
Dichtung voneinander scheiden 1. 
Jedenfalls trafen zunächst ungünstige Veränderungen auf 
den beiden Flügeln der deutschen Angriffsstellung gegen die 
Slawen mit den inneren Unruhen der ersten Jahre Ottos zu— 
sammen und wurden begleitet von neuen slawischen Aufständen. 
Vor allem empörten sich die Slawen nordöstlich der Elbe. 
Gegen sie entsandte Otto den Grafen Hermann Billung, 
den Ahnherrn der späteren sächsischen Herzöge. Die Wahl, 
vom sächsischen Geburtsadel viel beneidet und umstritten, ergab 
sich als richtig. Hermann schlug die Redarier, das Kernvolk 
des Widerstands; er beruhigte im wesentlichen dauernd die ihm 
unterstellten Gebiete. Inzwischen brachen Unruhen auch im 
Centrum der sächsischen Grenze aus, im rechtselbischen Gebiete 
der heutigen Provinz Sachsen und in Brandenburg. Hier traf 
Otto mit der Ernennung des nordthüringischen Grafen Gero zum 
deutschen Grenzwart eine glänzende Wahl. Skrupellos freilich, mit 
allen Mitteln gewaltthätiger Politik, ging Gero vor; einen An— 
schlag auf sein Leben gleich in der ersten Zeit seiner Amts— 
führung beantwortete er mit dem Überfall und der Tötung von 
dreißig Slawenhäuptlingen nach festlichem Gelage. Dazu trat ihm 
der königliche Hof mit Anwendung böser Bestechung zur Seite; 
Tugumir, ein edler Heveller, der am Hofe lebte, spielte durch 
Verrat Brandenburg in deutsche Hände. So ward der Wider— 
1 Völlig widerlegt hat Grund (Forschungen z. D. Gesch. 11, 5361 ff, 
die Angaben Adams von Bremen (2, 8) nicht, wenn auch Hauck 3 S. 100 
Anm. 1 und Waitz? 5 S. 103 Anm. 1 Grund zustimmen.
	        
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