Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 763 
bei der engen Verbindung Frankreichs mit Spanien auch die 
Ruhe Italiens und Deutschlands abhing: und meisterhaft hat 
er diese Politik bis zum Aachener Frieden und darüber hinaus 
durchgeführt. Doch machte sich seit 1749 etwa eine immer 
stärkere Hinneigung zu Frankreich bemerkbar; so wenig der 
König die Schäden der französischen Entwicklung verkannte. 
Die Geschäfte“, heißt es in dem „Politischen Testamente“ des 
Jahres 1752, „werden in diesem Lande, dessen Gottheit das 
Vergnügen ist, oberflächlich behandelt. Ein schwacher Fürst 
redet sich ein, daß er diese Monarchie regiere, während seine 
Minister sich in seine Autorität teilen und ihm nichts als einen 
unfruchtbaren Namen lassen. Eine Maitresse, die nur auf 
ihre Bereicherung hinarbeitet, Verwaltungsbeamte, welche die 
Truhen des Königs plündern, viel Unordnung und viel 
Räuberei stürzen diesen Staat in einen Abgrund von Schulden.“ 
sterreich hatte inzwischen, wesentlich durch seine Auf— 
merksamkeit auf Preußen veranlaßt, sich vor allem Rußland 
zu nähern gesucht, dessen Beherrscherin Elisabeth, von Friedrichs 
scharfer Zunge oft verlästert, Preußen und seinen König haßte; 
und schon am 2. Juni 1746 war es zwischen den beiden 
Staaten zu einem Verteidigungsbunde gekommen, worin sie 
sich insbesondere für den Fall eines preußischen Angriffes auf 
sie oder Polen — denn immer wurde Sachsen-Polen in 
diesen Verhandlungen mit verstanden — gegenseitige Hilfe zu— 
sagten. Es war ein Bund, dem am 80. Oktober 1750 auch 
England, bei gleichzeitiger stärkerer Annäherung Friedrichs an 
Frankreich, fur gewisse Hauptbestimmungen beitrat, während 
es zwischen Rußland und Preußen geradezu zum Abbruch der 
diplomatischen Beziehungen kam. Dies alles sah, für einen 
osterreichischen Betrachter, wie die Erfüllung der politischen 
Ansichten aus, die Kaiser Franz in einem Gutachten vom 
18. März 1749 niedergelegt hatte: man solle mit Rußland und 
den Seemächten gute Freundschaft halten, dann werde auch 
König Friedrich ruhig sein: „der einzige Preuß ist zu sorgen, 
daß er von den friedfertigen Dispositionen von ganz Europa 
zu profitieren sucht, um seine Streiche anzubringen. Man soll
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.