Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
sie griffen zu den Waffen. Während die Entscheidung in einem 
um Mainz konzentrierten Festungskriege ungleich schwankte, 
drohte ein längst gärender Aufstand in Sachsen, kam es in 
Baiern zur Empörung, blieben in Schwaben nur wenige Grafen, 
und allen voran der heilige Ulrich, Bischof von Augsburg, getreu: 
der König schien verloren. 
In diesem Augenblick kam ihm in eigenartiger Weise 
Rettung, indem ihm Gelegenheit ward, den Gedanken des 
nationalen Ganzen, die Notwendigkeit einer zentralen Gewalt 
gegenüber dem Haß der Stämme, der Abneigung des altsässigen 
Adels, der Unbotmäßigkeit in der eigenen Familie machtvoll 
und glanzreich zu vertreten. 
Schon längst hatten die Ungarn seit den Tagen König 
Heinrichs ihre Züge wiederholt; erst seit etwa 948 begannen 
ihnen die Herzöge von Baiern mit ihrer partikularen Kriegsmacht 
entgegenzutreten. Jetzt, unter den Wirren des Reiches, drangen 
sie furchtbar vor; Baiern, Schwaben, Lothringen, Westfrauken 
wurden gleich entsetzlich verwüstet. In dieser grauenvollen Zeit, 
während Liudolf dem Landesfeinde Führer schickte, sie zu ge⸗ 
leiten, und Konrad mit ihnen ein Bündnis schloß, vertrat Otto 
allein Ehre und Selbständigkeit des Reiches. Sofort zog er 
mit einem Heere nach Baiern, und traf er die Ungarn nicht 
mehr an, so vermochte er wenigstens sein Heer zur Beruhigung 
des Herzogtums zu gebrauchen. Es war die entscheidende 
Wendung; von da ab schrumpfte der Aufstand zusammen. 
Bald machten Konrad von Lothringen und Erzbischof Friedrich 
von Mainz ihren Frieden mit den König; auch Liudolf wußte 
die Verzeihung des Vaters zu erlangen. Ein Reichstag zu 
Arnstadt, am 17. Dezember 954, brachte endlich die endgültige 
Auseinandersetzung über das Schicksal der Empörer. Der 
Erzbischof war inzwischen gestorben. Konrad und Liudolf 
wurden ihrer Herzogsämter noch einmal entsetzt, doch behielten 
sie ihr Eigengut. Konrad starb nachmals den ehrenvollsten 
Tod in der Ungarnschlacht auf dem Lechfeld; Liudolf hat seine 
Fehler durch kraftvolles Eintreten für die Macht des Vaters
	        
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