Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
lehnt, sein Oheim Landulf trat mit dem Fürstentum Benevent 
ebenfalls unter die Oberhoheit des Reiches. 
Indem der Kaiser diese Maßregeln ergriff oder billigte, ent— 
faltete er ein Programm von beinahe unabsehbaren Schwierigkeiten, 
that er über die Absicht, den Papst zu beherrschen, hinaus, wenn 
auch wohl nur von dieser Absicht getragen, den ersten Schritt 
zum Universalreich, und damit zum Kampfe gegen die bestehenden 
Weltreiche der Byzantiner und auch des Islams. 
Otto selbst mag schon die späteren Konsequenzen seines 
Handelns dunkel geahnt haben. Nach dem Beispiel Karls des 
Großen beschloß er, sie durch eine Verschwägerung mit dem 
byzantinischen Herrscherhause zu umgehen; winkte doch auf diesem 
Wege auch die Möglichkeit einer mittelbaren Anerkennung des 
neuen westlichen Kaisertums durch den Osten. 
So eröffnete er Verhandlungen in Konstantinopel, die 
zur Vermählung seines Sohnes Otto mit einer Prinzessin des 
oströmischen Kaisers führen sollten, und in der Voraussetzung 
eines Erfolges setzte er die Kaiserkrönung des jungen Otto am 
Weihnachtstage des Jahres 967 durch. Allein er hatte die 
Rechnung ohne die lächerliche Uberhebung der Byzantiner 
gemacht. Als Preis der Vermählung forderte Byzanz 
angeblich die Abtretung Italiens! Der alternde Kaiser erteilte 
die richtige Antwort, indem er in die griechischen Gebiete Unter— 
italiens einfiel und, nach anfänglich schlimmen Erfahrungen, 
späteren Siegen, beinahe ganz Apulien besetzte. 
Diesen Vorgängen in Italien lief eine der hergebrachten 
Palastrevolutionen in Konstantinopel zur Seite. Im Dezember 
969 ließ die Kaiserin Theophanu, ihres tapfern aber rohen Ge— 
mahls überdrüssig, diesen ermorden und setzte an dessen Stelle 
seinen Vetter Timiszes. Timiszes, von Syrern, Donauslawen 
und Deutschen zugleich angegriffen, lenkte gegenüber Otto ein. 
Schon früher hatte Otto gegen Abschluß des erwünschten Ehe— 
bundes die Räumung des griechischen Besitzes in Unteritalien 
angeboten; jetzt übersandte man auf diese Bedingung von Byzanz 
her an Stelle einer früher gewählten Prinzessin aus dem Hause 
des Kaisers Romanos II. die Theophanu, eine Nichte des
	        
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