Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

166 Sechstes Buch. Erstes Kapitel 
sich hier darboten, ist dann die religiöse Trennung zurück— 
getreten: völlig klar sollte gar bald die Frage gestellt werden, 
ob Germanen und Griechen oder Griechen und Sarazenen zu— 
sammenstehen sollten. Schließlich haben sich die Mittelmeer— 
mächte vereinigt; Islam und Ostrom erwehrten sich gemeinsam 
der germanischen Barbaren Mitteleuropas, freilich nur, um 
völlig erschöpft am Ende den Barbaren des Nordens, einem 
anderen Zweig der großen germanischen Völkerfamilie, den Nor— 
mannen, die vielgehütete Eingangspforte nach Konstantinopel 
wie Palästina zu überlassen. Die Kämpfe Ottos II. in Süd⸗ 
italien, von denen bald die Rede sein wird, haben in diesem 
Zusammenhang den Deutschen keinen Gewinn gebracht; aber, 
nachdem die westgermanischen Deutschen schon in vorchristlicher 
Zeit in die mitteleuropäischen Provinzen des alten römischen 
Weltreiches eingedrungen waren, nachdem die Ostgermanen in den 
Stürmen der Völkerwanderung die südeuropäischen Teile des Im— 
periums überschwemmt hatten, haben sie doch jetzt, in letzter Stunde, 
den Nordgermanen die centralen Mittelmeergebiete wie den Osten 
des alten Orbis terrarum eröffnet. Und den Nordgermanen in 
Sizilien wie in den Westteilen des byzantinischen Reiches 
drängten später die romanisch-germanischen Nationen Mittel—⸗ 
europas überhaupt in den Kreuzzügen nach: es waren, ent—⸗ 
sprechend einem Zeitalter anderer Kultur, nicht mehr die noma— 
dischen Ausfahrten der Völkerwanderung mit Weib und Kind; 
es waren nur kriegerische Reisen; es kam nicht mehr zu einer 
Mischung des Blutes mit den orientalischen Völkern, sondern 
nur noch zu einem Austausch der Kultur: gleichwohl war es 
ein Abschluß erst des großen Vorrückens germanischer Elemente 
in den alten Garten der Mittelmeervölker, die Vollendung mehr 
als eines Jahrtausends germanischer Wanderungen. 
Kaiser Otto II. übersah diese Zusammenhänge insoweit, als 
er den universellen Charakter der süditalischen Bewegung er— 
kannte. Mit glühendem Herzen stürzte er sich in die Brandung. 
Pandulf der Eisenkopf, schließlich der Herrscher aller lango— 
bardischen Fürstentümer im Süden, ein kräftiger Gegner der 
Sarazenen, war am 7. März 981 gestorben; nach seinem Tode
	        
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