Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 169 
einer gewaltigen Schlacht bei Stendal ihrer Heimat; das rechts⸗ 
elbische Land aber blieb für lange dem deutschen Einflusse ver⸗ 
loren. Hier ward ein Christentum abgeschüttelt, das niemals 
Märtyrer oder Konfessoren gezeitigt hat; wiederum entstand der 
Kult slawischer Gottheiten; die Kulturarbeit dreier Generationen 
schien vernichtet. 
Gleichzeitig hatte in Dänemark eine Zeit innerer Unruhen 
begonnen, der die deutsche Oberherrschaft zum Opfer fiel. Der 
christlich und deutsch gesinnte König Harald Blätand ward 
ermordet, die Bistümer zerfielen, Erzbischof Adaldag von Ham— 
burg-Bremen starb gebrochenen Herzens, den 20. April 988. 
In der Auflösung alles Bestehenden drangen die Heiden des 
Nordens ein; König Erich von Schweden eroberte Dänemark 
und vertrieb den neuen König Sven, wie er Norwegen erobert 
und König Olaf verjagt hatte. 
Nun ragte das Heidentum im ganzen Nordosten in ge— 
schlossener Masse wiederum bis an die Grenzen des Reiches, wie 
früher im 9. Jahrhundert; von neuem erschien die Normannen⸗ 
plage wie in England und Flandern so an den friesischen und 
sächsischen Küsten; keine königliche Gewalt trat ihr entgegen. 
Sachsen und Friesen halfen sich selbst in blutigem Kampf und 
emsigem Burgenbau, bis König Erich 994 starb, die vertriebenen 
Könige Dänemarks und Norwegens in ihre Sitze heimkehrten 
und mit dem erneuten Einzuge des Christentums ein friedlicheres 
Zeitalter der nordischen Geschichte eröffnet ward. Sachsen und 
Friesen aber waren in diesen Kämpfen wieder als besondere 
Staats- und Heereskörper aufgetreten; es war der Anfang ihrer 
Entfremdung vom Reiche. Den Sachsen freilich blieb durch 
die Dynastie noch auf längere Zeit ein gewisser Zusammenhang 
mit den großen Interessen der Nation gewahrt; nie haben sie 
sich ihnen völlig entzogen, wenn auch oft genug ihnen seit Mitte 
des 11. Jahrhunderts widersprochen. Die Entwicklung der 
Friesen dagegen geht immer mehr ihre eigenen Wege; in hart⸗ 
näckiger Treue halten sie von nun an, abseits stehend, fest 
an sonst veraltenden Kulturerscheinungen der deutschen Ent⸗ 
wicklung, an Blutrache z. B. und gesetzlicher Buße in Kühen,
	        
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