Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

238 Sechstes Buch. Drittes Kapitel. 
Im Laufe des Jahres 994 ward der junge Kaiser mündig; 
gegen Abotriten und Wilzen unternahm er im Jahre 998 Ver—⸗ 
wüstungszüge, ohne jedoch einen nennenswerten Erfolg zu er— 
ringen, dann zog's ihn mit magischen Kräften nach Rom. So— 
bald er selbständig geworden, hatte er in der Wahl seiner 
Ratgeber eine durchgreifende Anderung vorgenommen: eine mit 
der leidenschaftlichen Energie seiner Ahnen geführte Politik 
persönlichster Art stand in Aussicht. 
Unter den Gebeten und Psalmsängen der Bischöfe zog der 
sechzehnjährige Herrscher im Februar 996 von Regensburg aus 
über die Alpen; während er in Pavia den Treueid der italischen 
Großen suchte und empfing, starb in Rom Johann XV., ein 
Papst römischer Parteiung; in Ravenna nahte eine römische 
Gesandtschaft, die um die Ernennung eines neuen Papstes 
bat. Die erste entscheidende Handlung des jungen Königs stand 
bevor. Otto setzte den noch nicht dreißigjährigen Brun, seinen 
Vetter, einen Sohn Herzog Ottos von Kärnten, auf den Stuhl 
Petri. Ohne Rücksicht auf den römischen Grundsatz, daß der 
Stadtbischof aus dem Stadtklerus zu nehmen sei, verfügte der 
König über den römischen Stuhl, als wenn es sich um ein 
deutsches Bistum handle. Brun war dabei trotz aller Bildung 
in weltlichen Wissenschaften als eifriger Pfleger deutsch-asketischer 
Frömmigkeit bekannt; auf Ottos Gebot betrat ein erster aske— 
tischer Papst nach dem Zeitalter der Pornokratie, der erste 
deutsche Papst zugleich, den gefährlichen Boden des Erbes Petri. 
Anfang Mai 996 ward Brun als Gregororius V. in⸗ 
thronisiert; bald darauf setzte er, ein Urenkel Ottos des Großen, 
dem königlichen Enkel des großen Sachsen die Kaiserkrone aufs 
Haupt. 
Zeigte die Wahl Bruns, daß der Kaiser nach einem ge— 
fügigen Werkzeuge für seine Weltherrschaftspläne trachtete, so 
ergaben die Ereignisse auf der Heimkehr nach Deutschland, daß 
der Herrscher sich auch von den asketischen Gedanken hinreißen 
und begeistern ließ. In Rom war Otto mit einem der eigen⸗ 
artigsten Vertreter der Askese in Verbindung getreten, mit dem 
Fechen Adalbert. Aus vornehmem Hause, von herrlichem
	        
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