Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 5
Dagoberts treten Arnulf, anfangs königlicher Finanzbeamter,
dann Bischof von Metz, und der älteste Pippin, ein edler Laie,
die Ahnherren des Karlingischen Hauses, zuerst an die Führung
der Geschäfte: beide stehen bereits in jener engen Verbindung
geistlicher und weltlicher Anschauungen, die für das Zeitalter
des späteren Karlingischen Weltreichs bezeichnend ist. Sie
führten die Regierung zum Besten des Landes. Der Knabe
Dagobert wurde sorgfältig erzogen, der Friede im Innern ge—
sichert, die Ehre des Reiches nach außen erneut: Slawen und
Awaren zitterten vor dem ostfränkischen Namen. Als Bischof
Arnulf im Jahre 627 sich aus der Welt zurückzog in eine stille
Klause des Wasgenwalds, da konnte er Dagoberts Haupt in
der Hoffnung guter Zeiten segnen.
Es kam anders. Im J. 628 starb Chlotachar II. Da—
gobert ward zum Alleinherrscher fast des gesamten Reiches.
Er verlegte den Königssitz von Metz nach Paris, wies Pippin
vom Hofe, verstieß seine Gemahlin, heiratete anfangs die eine
Magd Nantechild, später drei Hauptgemahlinnen neben einem
Troß von Buhlerinnen, beraubte die Kirchen, preßte das Land:
ward zum typischen König spätmerowingischer Zeiten.
Austrasien ertrug diese Herrschaft um so weniger, als sie
von Neustrien ausging. Dagobert mußte die Maßregel seines
Vaters wiederholen; im Jahre 634 setzte er seinen Sohn
Sigibert III. zu Metz als austrasischen Unterkönig ein. Sigibert
war kaum dreijährig; man bedurfte von neuem leitender Kräfte.
Es ist bezeichnend, daß sie sich fast nur noch im Kreise der
Familie Arnulfs und Pippins finden ließen; seit 688 war
Pippin selbst wiederum Hausmeier; und als er ein Jahr darauf
starb, folgte ihm sein Sohn Grimwald, wenn auch nicht ohne
Unterbrechung, in dieser Machtstellung.
Grimwald war eine durchgreifende Natur; gewaltthätig auch
unrechten Ortes betrachtete er sich schon völlig als Erben des
austrasischen Hausmeiertumes. Dem königlichen Kinde Sigibert
trat er selbstherrlich entgegen; und auch nachdem der König
mündig geworden, benutzte er dessen Rechte nur, um sie im
eigenen Interesse gegen Adel und Kirche zu wenden: unver