Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 257
sandte darauf seinen Stiefsohn Ernst zur Dämpfung des Auf⸗
standes heim, in der Absicht, durch eine Exekution des Grafen
Welf die Verbindung der Unzufriedenen für immer zu sprengen.
Allein Ernst zerriß die Fäden dieser Berechnung; auf Rat
seiner Vasallen trat er offen auf Seiten Welfs.
Da nahte Konrad aus Italien. Auf einem Reichstag zu
Ulm 1027 forderte er Welf und Ernst vor; beide erschienen in
stolzer Haltung; noch glaubten sie sich der Treue ihrer Vasallen
und Dienstmannen gewiß. Aber vor dem Antlitz Konrads und
dem Glanze der Krone, vielleicht auch schon unter dem Ein—
druck der später zu berührenden Lehnspolitik Konrads, schwand
deren Zuversicht; sie verließen den Grafen und den Herzog.
Beide mußten sich ergeben. Ernst wurde zeitweilig des Herzog⸗
tums entsetzt, doch schon 1028 wieder zu Gnaden angenommen.
Der König aber zog unverweilt hinab nach Worms, den
jüngeren Konrad zu strafen. Doch wurde auch er rasch wieder
begnadigt. Es ist fast das einzige Mal, daß Kontab Milde
zeübt hat.
Es ward ihm schlecht gelohnt. Ernst, von neuem Herzog
von Schwaben, hatte einen treuen Freund, den Grafen Werner
von Kyburg, der auch nach der Niederlage der Verwandten noch
in Waffen gegen den König geblieben war und jetzt Ernst zur
Erneuerung seiner Ansprüche auf Burgund aufforderte. Dem—
gegenüber verlangte der König 1030 auf einem Reichstag zu
Ingelheim, auf den Herzog Ernst persönlich entboten war,
Ernst solle gegen Werner, seinen Vasallen, ziehen als einen
Störer des gemeinen Friedens. Doch Ernst konnte sich dazu
nicht entschließen; in dem Konflikt zwischen Reichssstreue und
Freundestreue siegte die Freundschaft. Da ward der König
außer sich vor Zorn; er ließ dem Herzog durch Fürstengericht
das Land absprechen, er ächtete ihn, er befahl den Bischöfen,
ihn zu bannen. Und Ernst ging, ein elender Mann, mit
seinem Freunde zunächst nach Frankreich, zu den Feinden seines
königlichen Stiefvaters und des Reiches, und als er hier von
dannen gewiesen ward, zog er heimwärts in die Urwälder der
schwäbischen Berge, in ihnen zu sterben. Alles Haltes entblößt,
Lamprecht, Deutsche Geschichte II. 17