Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 259
Bistums Trient und des Patriarchats Aquileja. Damit nicht
genug, fand der Kaiser die Mittel, den Herzog persönlich zu
demütigen, indem er den Verhaßten zu seinem Schwertträger
ernannte und damit zu peinlicher persönlicher Dienstleistung
zwang. Das volle Maß des Zorns aber traf Adalbero im
Jahre 1035 auf einem Reichstag zu Bamberg. Hier klagte
der Kaiser auf Grund einer nicht recht erwiesenen Schuld
Adalbero vor versammelten Fürsten des Hochverrats an und
setzte die Verurteilung in äußerst peinlichen Scenen, die ihn
in offenen Widerspruch mit seinem Sohne Heinrich brachten,
durch, obwohl Adalbero abwesend war, also ungehört blieb.
Nun ward dem Unglücklichen das Herzogtum genommen; auch
seines Eigengutes ward er teilweise beraubt. Unstät starb er im
Jahre 1089, während der jüngere Konrad inzwischen das Herzog⸗
tum erhalten hatte, von nun ab ein treuer Diener des Kaisers.
Der Aufstand Ernsts von Schwaben und die Absetzung
Adalberos von Kärnten sind die einzigen größeren Irrungen,
die unter König Konrad im Innern des Reiches begegnen.
Es sind Ereignisse, deren Verantwortung dem König mindestens
ebenso zufällt, wie den schließlich so hart betroffenen Herzögen;
in keiner Weise sind sie mit den früheren Bewegungen unter
den Ottonen und auch noch Heinrich II. zu vergleichen: es
liegen in ihnen nicht eigentlich selbstsüchtige Beweggründe vor;
es klingt der alte Stammespartikularismus nicht mehr in den
wirklichen Gründen, sondern nur noch in der späteren, von der
Sage geschaffenen Motivierung der Handlungen Ernsts an; es
ist fast kein sachlicher Gegensatz zum Reichsoberhaupt mehr vor—
handen. In der glücklichen Uberbrückung der Stammesgegen—
sätze, in der allgemeinen Unterordnung der Großen unter die
Centralgewalt, in der rasch erfolgenden Beugung aller Familien—
ansprüche der Mitglieder des herrschenden Hauses unter den
Willen des Königs entwickelte Konrad II. weiter und erntete,
was Heinrich II. gesäet hatte.
Dabei vermochte Konrad die dynastische Strömung durch
Betonung der Vererblichkeit der Königswürde zu stärken. Schon
im Jahre 1026 war sein damals neunjähriger Knabe Heinrich
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