Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 261
dem Kloster Fulda, Bardo, einen für größere Geschäfte völlig
ungeeigneten Mönch, zugleich trennte er das Erzkanzleramt für
Italien von dem Mainzer Erzbistum ab nnd gab es an Köln:
das nahm Mainz einen Teil seiner Bedeutung: während Aribo
unter Konrad sechsunddreißigmal in Urkunden als erfolgreicher
Vermittler beim Könige erscheint, hören wir nur einmal von
einer Vermittlung Bardos.
Überall werden die Handlungen Konrads von derselben
Richtung beherrscht: Erhebung der Königsgewalt hinweg über
Kirche und Stamm, über Bischöfe und Herzöge, Begründung
der Monarchie nur auf die Gesetze eignen Vorteils und eigner
Bedeutung. Es war ein Standpunkt, der den Träger der Krone
zwang, sich über die Unterdrückung der Gegenmächte hinaus
positivem Schaffen zu widmen.
In diesem Sinne erscheint König Konrad als wichtiger
Neuerer. Zwar hatte schon Heinrich II. die ersten Anfänge
positiver innerer Politik auf sozialem Gebiete gewagt. Doch
Konrad muß, fassen wir die späteren Zustände ins Auge, weit
über ihn hinausgegangen sein. Wie er in Italien wirtschaft—
lich und gesellschaftlich ordnend eingriffi, so wußte er in
Deutschland, der harte Dränger der Großen, dem Königtum
die hoffende Zuneigung der breiten Schichten des Volkes zu ge—
winnen. Er erleichterte das Los der Unfreien. Er hob mächtig
die gesellschaftliche Grundlage der reisigen Krieger, des zukunfts-
reichsten Standes der ländlichen Gesellschaft: militum animos
in hoc multum attraxit, quod antiqua beneficia parentum
nemini posterorum auferri sustinuit?. Er ist allem Anschein
nach auch dem keimenden Bürgertum der Städte günstig ge—
sinnt gewesen. In seiner Jugend Schüler des Bischofs Burchard
von Worms, des treuen und wohlwollenden Reorganisators der
Standesverhältnisse des Wormser Bürger- und Grundholden⸗
tums, wird er als königlicher Mann der Begründer jener ritter—
und bürgerfreundlichen Politik, die ein Erbteil der salischen
Herrscher geblieben ist.
S. unten S. 282.
2 Wipo, Gesta Chuonradi imp. c. 6 S. 21.