Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 267 
macht worden. Vielmehr hatten Angriffe von polnischer Seite 
gegen das Reich, von denen bald! zu reden sein wird, zur 
Lockerung auch der letzten Bande beigetragen, welche die Elb— 
slawen noch mit dem Reiche verknüpften. Damit nicht genug, 
herrschte in den späteren Jahren Heinrichs II. in Sachsen große 
Unruhe infolge zerfleischender Fehden zwischen Laienfürsten und 
Bischöfen, und die königliche Mahnung zum Frieden im eigenen 
Lande fand nur allmählich Gehör. 
Inzwischen aber war im Norden ein mächtiger Rival des 
Reiches gegenüber den Slawen an Elbe und Ostsee erstanden. 
Die nordgermanischen Reiche befanden sich um diese Zeit in 
einer Periode großer sozialer Wandlung. Die alten Wikinger— 
fahrten hatten aufgehört; das geteilte politische Leben in Hun— 
derten kleiner Staatsgebilde, ähnlich den germanischen Völker— 
schaftsstaaten der Urzeit, begann den Interessen der Nationen 
nicht mehr zu genügen. Leicht erhob sich über sie hinweg, 
schemenhaft zunächst und rasch hinfällig, doch großer augen— 
blicklicher Kraftleistungen fähig, ein Oberkönigtum ähnlich dem— 
jenigen Marbods oder Swatovluks auf südgermanischem und 
slawischem Boden. 
So begann König Kanut von Dänemark damals die 
nordischen Kräfte zusammenzufassen. Er eroberte schließlich 
Norwegen und Schweden, er hatte schon früher England unter— 
worfen, er gebot den schottischen Königen; mit dem Polenkönig 
Mesco II. verwandt, ward er auch den slawischen Dingen 
Mitteleuropas näher gebracht. Und schon hatte er vorher, im 
Jahre 1019, die heidnischen Slawen der Ostsee geschlagen und 
mit der Aufrichtung dänischer Herrschaft an den Südküsten der 
Ostsee begonnen. 
Demgegenüber konnte es noch als Glück betrachtet werden, 
daß sich, fast außerhalb des Schattens des Reiches, an der 
Niederelbe ein erbliches Herzogtum der Billungen entwickelt 
hatte, dessen damaliger Vertreter Bernhard, schließlich mit 
König Heinrich II. versöhnt, sich der slawischen Dinge 
S. 270.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.