268 Sechstes Buch. Viertes Kapitel.
wenigstens einigermaßen annahm. Gleichwohl gelang es nicht,
das Bistum Oldenburg in Wagrien wiederherzustellen, und die
Mark Schleswig erschien schon als verlorener Außenposten des
Reiches. Und auch im Süden, an der Mittelelbe, verfielen die
bestehenden kirchlichen Einrichtungen, Pfarreien und Bistümer,
und deren Mutterinstitute, die Erzbistumer Magdeburg und
Hamburg-Bremen, entfremdeten sich jegalichem Gedanken der
Mission.
Konrad II., sonst so energisch, zog an dieser Stelle nur
die Konsequenzen des einmal Gewordenen. Einfälle der Ljutizen
im Sachsenlande beantwortete er mit der Abhaltung eines
Gottesgerichts zwischen beiden Parteien auf einem Reichstag zu
Werben im Jahre 1033: er durfte sich nicht verwundern, wenn
die Ljutizen dies Verfahren schon 1085 mit erweiterten Plün—
derungen beantworteten, zu deren Unterdrückung er nun einige
mit grausamer Härte ausgeführte Züge über die Elbe unter—
nahm. Mit Kanut aber schloß er ein Freundschaftsbündnis,
das zur Verheiratung einer Tochter Kanuts, Gunthild, mit
seinem Sohne Heinrich III., wie zur Abtretung der Mark
Schleswig an Dänemark führte: er mochte wohl hoffen,
durch das Mittel auswärtiger Beziehungen zu einer so festen
Macht wie der Königs Kanut die Autorität des Reiches im
Norden wenigstens einigermaßen aufrecht erhalten zu können.
Es war eine Täuschung. König Kanut starb schon im No—
vember 1035, und alsbald gerieten seine Söhne in Streit über
das väterliche Erbe. In diesen Irrungen ging das dänische
Großkönigtum zu Grunde. An seine Stelle trat ein Groß—
königtum der Norweger; im Jahre 1042 besiegte König Magnus
von Norwegen, Olafs Sohn, die Flotte der Dänen und machte
sich zum König auch des südlichsten der nordischen Reiche.
Das waren die nordischen Verhältnisse, mit denen Hein—
rich III. hätte rechnen müssen. Indes er war weit entfernt,
sich auch nur noch im enthaltsamen Sinne seines Vaters um
die nordgermanischen und nordslawischen Dinge zu kümmern.
So traten hier in weltlicher Beziehung die sächsischen Her—
zöge, von jeher Markgrafen auch des nördlichsten Gebietes der