Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 269
Elbslawen, in den Vordergrund. Herzog Bernhard verheiratete
seinen ältesten Sohn Ordulf mit einer Schwester des Königs
Magnus, worauf beide eine gemeinsame, den Slawen feindliche
Politik begannen: die Jomsburg, das heutige Wollin an der
Ostmündung der Oder, ward damals vermutlich erobert und
verbrannt, und die Abodriten wurden in einem furchtbaren
Kampfe in der Nähe von Schleswig geschlagen. Seitdem war
die slawische Kraft an den Ostseegestaden zwischen Schlei und
Oder auf lange gebrochen; das Volk ordnete sich sächsischem
Einfluß unter, und ein christlicher Wende, Gottschalk, des Uto
Sohn, begründete auf linkselbischem Boden mit kriegerischer
Strenge eine königliche Herrschaft.
Wie anders verliefen die Dinge an der Mittelelbe! Hier
machte sich die Macht des sächsischen Herzogtums minder fühl—
bar; in fortwährenden Kriegszügen ergoß sich die Barbarei der
Ljutizen über das deutsche Land; das Königtum war weit ent—
fernt, diesen Einbrüchen Einhalt zu thun; noch die letzten Tage
Heinrichs III. wurden durch die Kunde einer neuen slawischen
Brandschatzung und sächsischen Niederlage verbittert.
Im Norden aber war inzwischen neben die weltliche
Thätigkeit der Billungen die Mission der bremischen Kirche
getreten. Schon Erzbischof Alebrand hatte im Verein mit
König Magnus eine Anzahl von Missionaren gen Nord und
Nordosten entsendet, Ihm folgte im Jahre 1043 Adalbert,
bisher Dompropst von Halberstadt, aus dem Hause der Grafen
von Goseck, jener glänzendste Vertreter des kirchlichen Fürsten—
tums um die Mitte des 11. Jahrhunderts, der Erzieher, Be—
rater und Freund Heinrichs IV. Im Zwiespalt mit den
Billungen und dem sächsischen Adel faßte er den Plan, die
Metropolitangewalt der bremischen Kirche zu einem allumfassen⸗
den nordischen Patriarchat zu erweitern und Bremen selbst zu
einem strahlenden Mittelpunkt geistigen und geistlichen Lebens
im Norden zu entwickeln. Nach weitsichtigen Anfängen neuer
Mission erhielt er durch päpstliche Bulle vom 24. April 1047
die erzbischöfliche Gewalt über alle Länder des Nordens; fünf
Jahre darauf ward er, wie seine Nachfolger am bremischen