270 Sechstes Buch. Viertes Kapitel.
ADDDD
den nordischen Völkern ernannt mit dem Recht unbedingter
kirchlicher Gewalt: es war eine Stellung, die ausdrücklich mit
der des heiligen Bonifatius in Deutschland verglichen wurde.
In ihrer Kraft wirkte nunmehr Adalbert kirchlich und
politisch zugleich tief in den Norden hinein, bis Island und
Grönland: die größte Zukunft schien seinen Absichten zu winken.
Indes zeigte sich bald, daß das Vorhaben Adalberts, trotz
aller Bemühungen, das Reich dafür zu gewinnen, nicht von der
thatkräftigen Anteilnahme Heinrichs IIII getragen ward. War
die ottonische Mission Magdeburgs wie Hamburg-Bremens
einst gehoben worden von dauernden Fortschritten politischer
Ausdehnnng des Reiches nach Norden und Osten: jetzt fehlte
diese notwendige Vorbedingung kirchlichen Gelingens. Da die
nordgermanischen Staaten sich eben jetzt konsolidierten, so ver—
fiel die bremische Mission reißend schnell; soweit sie sich gleich—
wohl erhielt, mußte sie ohne Unterstützung des Reiches zu
wirken lernen. Sie befand sich damit in gleicher Lage, wie
das sächsische Herzogtum. Die größten kirchlichen wie weltlichen
Institutionen des Nordostens sahen sich gleichsam abgeschnitten
von wirksamem monarchischem Einfluß; sie lernten sich für sich
— —
Es sind die Anfänge jener Entfremdung des Nordens, in deren
Vollendung das Reich nur noch als spezifisch mittel- und süd—
deutsch, schließlich als nur noch süddeutsch begriffen ward.
Anders gestalteten sich unter den drei Kaisern der ersten
Hälfte des 11. Jahrhunderts die Verhältnisse der Ostgrenze des
Reiches, soweit diese den süd- und mitteldeutschen Interessen
näher lag. Der Unterschied ist um so auffallender, als zu Be⸗
ginn der Regierung Heinrichs II. gerade diese Grenze besonders
bedroht schien.
In Polen hatte ein gewaltiger Herrscher, Boleslaw Chrobry,
allen Nutzen aus der Thatsache gezogen, daß seit Ottos des
Dritten wunderlichem Zuge nach Gnesen eine eigene polnische
Kirche bestand, ein unmittelbarer Verkehr mit Rom angebahnt
war und die Polen zu selbständigen Verteidigern der abend—