Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

274 Sechstes Buch. Viertes Kapitel. 
barfuß warf er sich ihm zu Füßen. Der König aber zeigte sich 
dem Büßenden mild nach fürstlicher Sitte. Von der früher 
beanspruchten Geldzahlung von 8000 Mark erließ er ihm die 
Hälfte; er setzte ihn wiederum in sein Herzogtum ein und ge— 
stattete ihm sogar, von seinen Eroberungen Schlesien als 
deutsches Lehen zu behalten. 
Bretislaw aber und sein nächster Nachfolger blieben seitdem 
dem Reiche getreu. und auch Polen blieb durch die Rückwirkung 
der böhmischen Verhältnisse dem Reiche verbunden. Es waren 
Zusammenhänge, die auch wiederum die Slawenmarken der 
Mittelelbe beeinflußten. Seitdem der Gedanke eines groß— 
flawischen Reiches auf dechischer oder polnischer Grundlage er⸗ 
tötet war, hob sich neues Leben in der Mark Meißen und den 
meißnischen Grenzlanden; dem starken Geschlecht der Wettiner 
ward es gegeben, hier alten Besitz der Nation nun endlich lang— 
sam mit deutschem Geist und deutschem Blut zu erfüllen. 
Heinrich III. aber hatte noch mit den ungarischen Eingriffen 
abzurechnen. Sie hatten zunächst für König Peter eigne Folgen 
gehabt. Da sie für die magyarische Sache zunächst ergebnislos 
blieben, so hatte sich der allgemeine Haß auf den angeblich 
deutschgesinnten König geworfen; er ward des Landes vertrieben. 
Die Magyaren wählten darauf einen ihrer einheimischen Grafen 
zum König, den Samuel, Ava genannt. Es lag in der Kon— 
sequenz der Wahl Avas, daß er sofort zum Angriff gegen die 
Deutschen schreiten mußte. Er that es mit besonderer List. 
Nachdem er alle Deutschen im Lande, sogar eine anwesende Ge— 
sandtschaft Heinrichs, hatte festnehmen lassen, drang er in drei 
Heerhaufen über die Grenze. Doch entsprach der Erfolg nicht 
den Vorbereitungen; nur der mittlere Beutezug — denn um 
Plünderung handelte es sich an erster Stelle — gelang. 
Bald darauf aber war Heinrich in Regensburg angelangt. 
Er ordnete die Verhältnisse im Südosten des Reiches; er drang 
über die ungarische Grenze; er nahm Preßburg und Heimburg; 
er schlug die Ungarn und gab den Westen des Landes, dessen 
Große sich ihm unterwarfen, an einen Neffen des heiligen 
Stephan als Herzogtum.
	        
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