Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 275 
Rasche Erfolge, die ebenso rasch zerrannen. Darum führte 
Heinrich im Jahre 1043 einen neuen Zug aus. Und wiederum 
schlug er die Ungarn, an ihren Befestigungen am Repcze, einem 
Nebenfluß der Raab. Und nun kam ein Friede zu Stande, der 
dem Reiche dauernde Vorteile brachte. Das Gebiet zwischen 
Leitha, Fischa und Donau, schon einmal unter König Stephan 
abgetreten, ward jetzt endgiltig deutsch; massenhaft zogen 
nationale Elemente in den nächsten Jahren hier ein; ursprüng— 
lich als eine neue Mark organisiert, ward es später mit der 
alten bairischen Ostmark, dem späteren Osterreich vereinigt. Es 
sind Ereignisse, die, tiefer eingreifend in die Geschicke unseres 
Volkes im Südosten, einen hehren Nachklang in den Donau— 
Schilderungen des Nibelungenliedes hinterlassen haben. 
Heinrich aber drang im folgenden Jahre von neuem gegen 
die Ungarn vor und besiegte sie in einer furchtbaren Schlacht 
an der Raab bei Menfö, am 5. Juli 1044. Das war auf 
längerhin das entscheidende Ereignis. Heinrich führte jetzt 
den früheren König Peter als deutschen Schützling auf den 
ungarischen Thron zurück; er machte die Ungarn dem Reiche 
tributpflichtig und begabte sie mit einer Reihe deutscher Rechts— 
grundsätze in der besonderen Fassung des bairischen Rechtes. 
Folgerichtiger noch wurde das neue Verhältnis Ungarns zum 
Reiche im Jahre 1045 ausgebildet. Im Frühling dieses 
Jahres zog Heinrich die Donau hinab. Peter empfing ihn aufs 
ehrenvollste und übergab ihm durch symbolische Darreichung 
der goldenen Königslanze das ungarische Reich, um es auf 
Lebensfrist in Lehnsweise zurückzuempfangen. 
Fast selbstverständlich ist es, daß solche Erfolge keine Gewähr 
der Dauer in sich trugen. Als Heinrich im Jahre 1046 zur 
Romfahrt rüstete, da brachen die Ungarn los, erschlugen und 
verstümmelten viele Deutsche im Lande, blendeten König Peter 
und setzten sich in dem Arpaden Andreas einen neuen Herrscher. 
Doch bezeichnet es den immerhin tiefen Eindruck der deutschen 
Obmacht, daß Andreas alsbald eine vermittelnde Stellung 
zwischen Deutschen und Magyaren einzunehmen suchte. So ge— 
lang es schließlich, gegen Ende der Regierung Heinrichs einen 
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