Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 277
vom Breitengrade Basels nominell bis zu den Gestaden des
Mittelmeeres in der Gegend von Nizza und Arles erstreckte,
war der letzte seines Geschlechtes. Doch war er kaum noch im
thatsächlichen Besitze des Landes. Ein übermächtiger Adel be—
drängte den König doppelt, da er wankelmütig und schwach
war; namentlich der Graf Otto Wilhelm von Mäcon und
Nevers nahm das Land ein und verfolgte von seinen westlichen
Grenzen aus weitgehende Pläne gegen Frankreich.
Unter dem Druck dieser Verhältnisse lehnte sich Rudolf, wie
schon die meisten seiner Vorfahren, innig an Deutschland an,
den einzigen stark monarchischen Staat in Mitteleuropa. Es
kam so weit, daß Rudolf König Heinrich zu seinem Erben ein—
setzte und ihm im Jahre 1006 zur symbolischen Anerkennung
der Herrschaft die Stadt Basel übergab, von da ab einen Jahr—
hunderte überdauernden Besitz des Reiches. Dieser Schritt hatte
zur Folge, daß der burgundische Adel den König noch rücksichts—
loser bedrängte: nun huldigte Rudolf auf einer Straßburger
Zusammenkunft des Jahres 1016 dem deutschen Herrscher und
—D—
Heinrich II. hat dies neue Recht sehr ernst aufgefaßt, trotz
mancher Schwankungen Rudolfs; wiederholt hat er Feldzüge
nach Burgund zur Befriedung des Landes unternommen: und
so hinterließ er die von ihm vertragsmäßig erworbenen Rechte
im Sinne einer wohlverdienten Errungenschaft.
Konrad II. aber ließ von Anbeginn seiner Herrschaft keinen
Zweifel darüber, daß er diese Rechte als dem Reiche angehörend
und durch dessen jeweiligen Herrscher vollstreckbar erachtete: wir
wissen, wie er sie gegen die Ansprüche deutscher Großen, vor
allem seines Stiefsohnes zu wahren wußte!. Sofort nach seinem
ersten Umritt durchs Reich besetzte er Basel und ernannte für
das Bistum der Stadt einen Hirten, trotz des Widerspruches
König Rudolfs und der burgundischen Großen.
Die energische Handlung erwies sich alsbald als erfolgreich.
Der wetterwendische Rudolf erkannte nunmehr das Recht des
S. oben S. 256 ff.