Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 279
gebens, bedroht; nach dem Abzuge des deutschen Heeres und
Königs aber entartete sie in leblosen Formen.
Noch weniger wollte das Volk Mittelitaliens in den ersten
Zeiten Heinrichs II. an deutsche Herrschaft erinnert sein. In
Tuscien hoben neben dem Markgrafen die rasch erblühenden
Städte Pisa, Genua und Lucca trotzig ihr Haupt; in Rom
herrschte Johannes, der Sohn des unter Otto III. enthaupteten
Crescentius, knüpfte Verbindungen mit Byzanz an und er—
nannte nacheinander drei Päpste aus eigener Willkür.
Da starb im Jahre 1012 Johannes, bald darauf auch sein
letzter Papst, Sergius IV. Die Macht über Rom gelangte an
die Grafen von Tusculum: sie setzten einen der Ihrigen auf
den Stuhl Petri, Theophylact, als Papst Benedikt VIII.
Benedikt war ein äußerst energischer Charakter hochfahrenden
Sinnes. Noch Laie, als man ihn wählte, nahm er den Kampf
— D aber das
päpstliche Ansehen dauernd wiederherstellen zu können, bedurfte
er der Hilfe des deutschen Königs. So wünschte Benedikt die
Anwesenheit Heinrichs in Italien, und dieser entschloß sich, im
elften Jahre seiner Herrschaft, zur Romfahrt. Sein Zug ent⸗
sprach ganz dem Gedanken Benedikts. Weihnacht 1013 war
der König in Pavia, am 14. Februar 1014 empfing er zu Rom
die Krone, das Pfiugstfest feierte er schon wieder zu Bamberg.
In Italien war er überall als Herr aufgetreten. Auf Synoden
in Rom und Ravenna hatte er die entscheidende Stimme gehabt.
Das Papsttum aber war durch Heinrichs Erscheinen in
wunderbarer Weise gestärkt worden; auf der Grundlage erneuten
Ansehens setzte Benedikt nunmehr seine italienischen Pläne ins
Werk. Er kämpfte siegreich gegen die Sarazenen, die damals,
ein kühnes Piratenvolk, die Kuüsten Italiens weithin plünderten
und Sardinien erobert hatten. Er suchte noch mehr die Leitung
der italienischen Angriffe gegen die Griechen Unteritaliens zu
erhalten.
In Unteritalien hatten die Griechen noch während der
Regierung Ottos III. ganz Apulien und Kalabrien von neuem
in ihre Obhut gebracht. Sie erlangten ferner wieder die Ober⸗