282 Sechstes Buch. Viertes Kapitel.
hunderts, fast ausschließlich auf die Bischöfe, den hohen Klerus
überhaupt gestützt; es war eine Parteipolitik gewesen. Dem—
gegenüber erhoben sich nun in Ober- und Mittelitalien seit der
Wende des Jahrtausends neue Kräfte; das Bürgertum begann
sich zu regen, und der hohe Laienadel gewann eine ausgedehntere
Bedeutung. Er hatte schon Arduin von Ivrea als Gegenkönig
gehalten; jetzt suchte er von neuem ein Gegenkönigtum aus—
wärtiger, französischer Fürsten zu begründen.
Konrad II. entfaltete gegen die Empörung die ganze
Thatenlust seines Wesens. Vom hohen Klerus gerufen, drang
er machtvoll in Italien ein, ließ sich zu Mailand durch den
Erzbischof krönen und durchzog siegreich das ganze Land bis
in die entfernten Alpenwinkel des Westens, die längst keinen
deutschen Herrscher mehr gesehen. Nach mehr als einjähriger
Thätigkeit sah er das Land lautlos zu seinen Füßen. Und
sofort nutzte er die Lage zu einer grundsätzlichen Anderung der
deutschen Politik gegenüber Italien aus. Nicht mehr mit Hilfe
des Klerus allein wollte er herrschen; über alle Parteien und
zesellschaftlichen Schichten des Landes suchte er sich zu stellen,
ein erster vollmächtiger König. Es war eine Haltung, die not—
wendig dem bisher vernachlässigten Laienadel zu gute kam.
Zum Schluß seines italienischen Aufenthalts zog Konrad dann
nach Rom, empfing Ostern 1027 aus den Händen Johanns XIX.,
eines kenntnislosen, geldgierigen und wollüstigen Jünglings, die
Kaiserkrone! und berief von sich aus eine Synode zum Lateran.
Es war grundsätzlich die Politik Ottos des Großen gegenüber
dem Papsttum, nur daß Konrad zur vollen Beherrschung des
Papsttums keine tiefer begründete Ausdehnung seiner Macht
äber Unteritalien für nötig hielt.
Auch später, nach seiner Rückkehr in die Heimat, befolgte
Konrad gegenüber Unteritalien diese Politik der Enthaltsamkeit,
die schon Heinrich II. begründet hatte: er hielt die langobardischen
Fürstentümer in Lehnsabhängigkeit vom Reich, er dachte aber
nicht mehr an die Vertreibung der Griechen und Sarazenen.
1S. oben S. 256.