Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 288 
Diese ruhige Auffassung machten sich zunächst die Griechen zu 
nutze. Sie versuchten ihrerseits die Sarazenen aus Unteritalien 
und Sizilien zu entfernen, und das erste Jahrzehnt dieser 
Kämpfe, bis weit über die Ermordung des Kaisers Romanos 
im Jahre 1084 hinaus, brachte ihnen in der That eine Reihe 
von Vorteilen. 
Gegenüber dieser Störung des bisherigen unteritalienischen 
Gleichgewichts mußte es der deutschen Politik darauf ankommen, 
jedenfalls die langobardischen Herzogtümer im Verbande des 
Reiches zu erhalten und zu schützen. Und hier ergriff Kaiser 
Kontad Maßregeln, deren verhängnisvolle Tragweite er freilich 
nicht voraussehen konnte. Er erteilte den Normannen, die sich 
als Kämpfer gegen Griechen und Sarazenen schon anfingen 
unentbehrlich zu machen, legitime Vollmacht zu diesem Kampfe, 
indem er gestattete, sie als Grenzer gegen das Vordringen der 
Griechen anzusiedeln, und sie dem Lehnsverbande des Fürsten⸗ 
lums Salerno einfügte. Das erwies sich zunächst als überaus 
nützlich; im Jahre 1089 eroberte der Fürst von Salerno mit 
Hilfe der Normannen Amalfi und Sorrent. Allein bald zeigte 
sich, daß die Normannen als Kern des Widerstandes nach 
Süden auch eine ihrem Verdienste entsprechende Stellung in 
Süditalien beanspruchen würden. Ließ sich dann die Reichs⸗ 
hoheit noch aufrecht erhalten, zumal bei dem fromm-papalen 
Sinn der nordischen Krieger? In südlicher, dem Reiche nicht 
leicht zugänglicher Nachbarschaft Roms war eine Macht im 
Entstehen begriffen, die dem Papsttum dereinst nur zu leicht 
als Rückhalt im Kampfe gegen Reich und Reichskirche dieuen 
konute. 
Und schon ward auch Oberitalien in seiner Unterwerfung 
unter das Reich wieder wankend. Konrad hatte den seit dem 
Jahre 1026 eingeschlagenen Weg einer gleichmäßigen Be⸗— 
günstigung des geistlichen und des Laienadels mit Erfolg fort— 
gesetzt; zugleich hatte er für eine Germanisierung dieser Klassen 
Sorge getragen, indem er deutsche Kleriker zu lombardischen 
Bischöfen ernannte und Verschwägerungen zwischen den edlen 
Familien nördlich und südlich der Alpen veranlaßte. Aber
	        
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