Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 285 
Grenzen aus, setzte fest, daß eine Aberkennung von Lehen nur 
durch Spruch eines adelsgenossenschaftlichen Gerichtes statt⸗ 
finden könne, und regelte die Berufung von diesen Gerichten 
an die Fürsten oder die königlichen Gewaltboten. 
Es ist der bedeutendste Schritt, den Konrad zur Beruhigung 
der oberitalienischen Zustände gethan hat. Die übrig bleibenden 
Gegensätze zu lösen, hinderte ihn der Tod. Sein Sohn und 
Nachfolger aber nahm sich der italienischen Dinge von Gesichts— 
punkten aus an, die vielfach mit seinen ganz anders gearteten 
religiösen Überzeugungen zusammenhingen. 
VI. 
Überschauen wir nunmehr an der Hand der Einzelvorgänge, 
wie sie bisher geschildert sind, den Gesamtcharakter der deutschen 
Politik unter den Herrschern der ersten Hälfte des 11. Jahr— 
hunderts, so unterliegt deren Verschiedenheit von der Politik 
der Ottonen keinem Zweifel. 
Am ehesten ließe sich eine gewisse Übereinstimmung noch 
in den Zielen der inneren Politik behaupten. Freilich bleiben 
Heinrich II. wie die ersten Salier auch auf diesem Gebiete bei 
allem Machtgefühl ihrer Stellung dennoch entfernt von der dem 
Ziele nach absolutistischen Auffassung der Herrscherwürde, wie 
sie die späteren Ottonen unter der Einwirkung der erneuten 
Renaissance und des kirchlichen Universalismus gehegt hatten. 
Sie haben vor allem neu zu erwerben, was an positiver Macht 
dem Königtum Ottos II. und Ottos III. verloren gegangen 
war; gegenüber einer grundsätzlichen, schließlich idealistisch über— 
triebenen Anschauung des Herrscherberufs unter den Ottonen 
sind sie harte Realisten, denen nur die dauernde Ausübung 
wirklicher Macht Befriedigung gewährt. Von dieser geistigen 
Haltung aus haben sie das Reich von neuem befestigt, ja ge— 
gründet: erst ihr Zeitalter entwickelt einzelne Züge der späteren 
Reichsverfassung in den Anfängen regelrechter Reichstage und 
den Keimen fürstlicher Ratspflicht. 
Neben der Neubegründung der Königsgewalt besteht die 
wichtigste Thatsache der inneren Entwickelung dieses Zeitalters
	        
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