Full text : Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

308 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.

Unteritalien her kränkelnd den deutschen Boden. Bald darauf
starb in Rom der deutsche Papst Clemens II., am 9. Oktober
— D—
darauf wieder geltend zu machen; die Reformpartei sah ein, daß
sie den politischen Boden in Rom noch nicht beherrschte; bittend
wandte sie sich an den Kaiser um einen neuen Papst ihres
Sinnes. Heinrich sandte den Bischof Poppo von Brixen, als
Papst Damasus II.; er starb nach einem Pontifikat von kaum
drei Wochen. Und wieder sandten die Römer zum Kaiser.
Da gab ihnen Heinrich den Bischof Bruno von Toul zum
Papst, einen in Lothringen gebildeten, vollüberzeugten, unbeug—
samen Anhänger der Lehren -Clunys, der, obwohl kaiserlicher
Verwandter, sich das ärmste Bistum im Reiche zum Sitze er—
wählt hatte, einen gewitzigten Diplomaten, einen weitsichtigen
Kenner deutscher wie romanischer Zustände: als Leo IX. er⸗
öffnet er die glänzende Reihe der großen Päpste im Zeitalter
des Investiturstreits. Mit ihm hat im Gegensatz zu seinen
deutschen Vorgängern ein unermüdlicher Verteidiger des
fanonischen Rechts den Stuhl Petri bestiegen.
Schon die Art, wie Leo sich seine Stellung in Rom be—
reitete, ließ den klugen Begründer einer großen päpstlichen
Politik erkennen. Obwohl vom Kaiser zum Papst bestimmt,
erklärte er doch, die Würde nur annehmen zu wollen, falls
auch die Römer sich für seine Person aussprechen würden: so
mäßigte er das Übergewicht des kaiserlichen Namens, ohne daß
Heinrich widersprach, durch festeste Betonung der kanonischen
Bestimmungen über die freie Wahl des Klerus und Volkes.
Und einmal inthronisiert, ging er sofort in den beiden Rich—
tungen vorwärts, denen das Papsttum seine späteren Siege
über das Kaisertum guten Teiles verdankt hat: er lehnte sich
teilweise an die romanische Welt an, und er begründete An—
sprüche päpstlicher Herrschaft in Unteritalien. Eine gründliche
Reorganisation des Kardinalkollegs befreite zugleich das Papst⸗
tum von dem lokalen Einflusse des römischen Adels. Vor
allem aber förderte der unermüdlich umherreisende Papst die
Reform persönlich auf zahlreichen Synoden.
            
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