Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

320 Siebentes Buch. Erstes Kapitel. 
bis dahin nicht völlig aussichtslosen Widerstand Benedikts X. 
Weiter wurde er zusammen mit einem zweiten Normannen-— 
fürsten, mit Robert Guiscard, seit 10587 Grafen von Apulien, 
1059 Lehnsmann des Papstes, wogegen Robert Guiscard 
wohl unter Berufung auf die Konstantinische Fälschung, mit 
Apulien, Kalabrien und Sizilien belehnt wurde. 
Mit diesen Maßregeln war Unteritalien dem Ehrgeiz der 
Normannen preisgegeben und zugleich gewissermaßen für päpst— 
liches Eigentum erklärt; auf sehr einfache Art schien der Welt— 
kampf des 10. Jahrhunderts zwischen Griechen, Sarazenen und 
Deutschen zum Vorteil unberechtigter Eindringlinge beseitigt. 
Auch in Mittel- und Oberitalien wußte Hildebrand für 
das Reformpapsttum Stimmung zu machen. In Mittelitalien 
war Gottfried von Tuscien der starke Herr; sein ganzes Leben 
war ein Kampf mit dem deutschen Königtum gewesen; es war 
leicht mit ihm Freundschaft halten. Ebenso günstig entwickelte 
sich die Lage in Oberitalien. Hier war seit den großen sozialen 
Bärungen gegen Ende der Regierungszeit Kaiser Konrads noch 
nie volle Ruhe eingetreten; aber die popularen Bewegungen, 
durch die Kaiser von der politischen und sozialen Seite mehr 
abgedrängt, hatten sich, ihrem alten bischofsfeindlichen Zuge 
folgend, mehr auf das kirchliche Gebiet hinübergezogen. Im 
Volk redete man jetzt laut über Simonie und Nikolaitismus 
der Bischöfe; man fand die Neigungen auch des niederen Klerus 
keineswegs geistlich: man bog in die Anschauungskreise der 
kirchlichen Reform ein. Neben die mehr aristokratische Reform— 
partei der Cluniacenser trat damit in Oberitalien eine wüste 
proletarische Reformbewegung; in ihren trüben Strömungen 
organisierte sich das niedere Volk zu Mailand, zu Cremona und 
Piacenza zu den förmlichen Eidgenossenschaften der Pataria 
und ward von demagogischen Klerikern bis zu offener Empörung 
gestachelt. Mit dieser Bewegung hatte nun schon Stephan IX. 
Verbindungen gepflegt. Damals wandte sich einer ihrer Führer, 
der Diakonus Ariald, nach Rom und wurde dort von einem 
Banne gelöst, den ihm die Lombarden auferlegt hatten. Noch 
1057 erschien Hildebrand in Mailand und schloß den Bund
	        
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