Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 335
verfolgte sie die Beredungen der Fürsten mit dem fränkischen
König. Und während der Goslarer Verhandlungen siegten ihre
leidenschaftlichen Instinkte. Noch während der Beratungen ver—
langte die zusammengeströmte Menge drohend die augenblickliche
Zerstörung aller königlichen Burgen im Lande. Der König
mußte nachgeben; die Verhandlungen wurden abgebrochen; Hein—
rich begab sich von Sachsen nach Worms an den Rhein.
Und nun brach das Sachsenvolk los; in furchtbarem Grimm
vernichtete es die vermeintlichen Zwingstätten: da sollte kein
Stein auf dem andern bleiben: überall sah man Greuel der
Verwüstung. Aber Schlimmeres geschah auf der Harzburg, dem
Lieblingssitze des Königs. Die Burg ward zerrissen: das war
Rechtens. Dann aber stürzte Bauernpöbel auf die Kirche der
Burg, erbrach unter ihren fallenden Trümmern die königliche
Gruft, die sie barg, und zerstreute die Asche eines Bruders und
eines frühgeborenen Sohnes König Heinrichs in alle Winde.
Der erste Abschnitt des sächsischen Aufstandes schloß mit
einem Sakrileg gegen die Kirche und gegen das Herz des Königs:
sollte diesem Beginnen Gutes entsprießen?
II.
Inzwischen hatte das Schifflein Petri in Italien unter
der geschickte Führung Hildebrands immer höhere See und
günstigere Fahrt gewonnen.
Wir verließen die römischen Dinge im Jahre 1064, mit
jenem Konzil von Mantua, auf dem das Reformpapsttum den
ersten großen Sieg über das deutsche Königtum und die deutsche
Kirche gewann!. In den darauf folgenden Jahren wußte das
Papsttum in Italien vor allem die Normannen an sich zu fesseln.
Den Plänen der Kurie kam hier der natürliche Zug der Dinge
entgegen. Nachdem die griechische Herrschaft in Unteritalien fast
verdrängt war, handelte es sich für die Normannen im wesent—
lichen um Kriege mit den Sarazenen. Die konnten nicht besser
J
S. oben S. 323.