Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 337
So war Italien an das Schicksal des Reformpapsttums
gefesselt; die Kurie war des eignen Hauses sicher. Aber schon
begann Hildebrand über die Grenzen des Landes hinaus den
gewaltigen Eroberungszug gegen die Nationen des Occidents.
Waren die slawisch-katholischen Völker seit den Tagen Ottos III.
dem Papsttum aufs engste verbunden, so galt es jetzt nament—
lich, die romanischen Nationen zu gewinnen. Hier hatte Leo IX.
schon Frankreich teilweise geneigt gemacht; zudem war das Land
der Sitz der cluniacensischen Bewegung, ja Lothringen der
Mutterboden des Reformpapsttums selbst. Darüber griff Hilde⸗
brand hinaus. Wohl im Anschluß an seine unteritalisch⸗nor⸗
mannischen Beziehungen knüpfte er Verbindungen an mit den
Fürsten und Helden der Normandie; unter päpstlicher Fahne
eroberten diese im Jahre 1066 das germanische England, und
vier Jahre darauf empfing Wilhelm der Eroberer aus den
Händen päpstlicher Legaten die Krone des neuen Reiches.
In dem Bewußtsein wachsender Macht, wie es die Vor—
gänge auf romanischem Boden erzeugten, würdigte die Kurie
nun auch die deutschen Dinge erneuter Beachtung.
Hier lebte die Hierarchie einstweilen noch unter dem Ein—
druck, daß sie bei den Vorgängen des Konzils von Mantua
immerhin die Macht formaler Entscheidung über das Papsttum
noch in den Händen behalten habe; ihre Bischöfe und Erz—
bischöfe, unter Heinrich III. hochgeehrt, noch kürzlich, in den
Zeiten der Unmündigkeit Heinrichs IV., Regenten des Reiches,
traten selbstsicher und stolz einher; nur wenige ahnten wohl die
bedrohliche Entwickelung des Papsttums der letzten Reformjahre.
Der König aber, nun selbständig, nahm auf Rat seiner mini—
sterialischen Umgebung gegenüber der Kirche die Politik Kon—
rads II. wieder auf; es blühte die Simonie, und die Bischöfe
wurden als Beamte des Reiches betrachtet.
Dagegen begann die Kurie nun seit Schluß der sechziger
Jahre vorzugehen. Und sofort zeigte sich, daß die deutsche
Kirche ihren Anforderungen fast widerstandslos unterlag, soweit
die Bischöfe in Frage kamen; die Erzbischöfe von Mainz und
Köln wie der Bischof von Bamberg sind mit Erfolg wegen
Lamprecht, Deutsche Geschichte II. 22