Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

338 J Siebentes Buch. Zweites Kapitel. 
Simonie vor die römische Ostersynode schon des Jahres 1070 
zur Verantwortung geladen worden. 
Aber auch der König widerstand weder zäh noch folge— 
richtig dem römischen Andrang. 
Besonders unglücklich war es, daß ihm die Kurie zunächst 
in einer persönlichen Sache ihre Vermittlung gewähren konnte. 
Heinrich hatte am 18. Juli 1066 zu Tribur Bertha von Savoyen, 
die ihm von Kindesbeinen an verlobte Braut, geheiratet, ob— 
wohl sie ihm zuwider war. Noch drei Jahre nach der Hoch— 
zeit hatte er sie nicht berührt und verlangte nun offen nach 
Scheidung. Nun hätte er seine Absicht bei dem deutschen 
Klerus wohl erreicht; allein im dringlichsten Augenblick, auf 
einer Frankfurter Synode im Herbst des Jahres 1069, traf als 
Gesandter der Kurie Pier Damiani ein, vereitelte dahingehende 
Schritte und wußte sogar anscheinend ein besseres Verhältnis 
zwischen dem König und seiner Gemahlin anzubahnen: in den 
persönlichsten Beziehungen war die Kurie dem König machtvoll 
an die Seite getreten. 
Wenige Jahre darauf, am 21. April 1073, starb Papst 
Alexander II.; ihm folgte in rascher, ja stürmischer Wahl 
Hildebrand: der bisher versteckte Leiter der päpstlichen Politik 
betrat unverhüllt, als Papst Gregor VII., die geschichtliche 
Bühne. Im Verlaufe seiner Wahl waren das Papstwahldekret 
vom Jahre 1059 und natürlich auch die bisherigen Rechte des 
deutschen Königs als eines Patricius von Rom völlig mißachtet 
worden; als der König um seine Zustimmung zur Wahl er— 
sucht wurde, hätte Protest erhoben werden müssen. Allein seit 
der Wahl Alexanders II. war man in Deutschland nachgiebig 
geworden; nichts dergleichen geschah. 
So begreift es sich, wenn Gregor VII. sich dem Glauben 
zuneigte, Heinrich sei im Herzen der Reform wohlgesinnt, wie 
einst sein Vater. Noch mehr mußte er zu dieser Anschauung 
gelangen, ja ein Gefühl persönlicher Anhänglichkeit Heinrichs 
an die Kurie annehmen, übersah er den Inhalt eines Schreibens 
Heinrichs, das dieser in den Nöten des sächsischen Aufstandes 
nach Rom gerichtet hatte. Heinrich bat nach der Flucht aus
	        
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