Heinrich IV.; Königtum und Papfttum im Kampfe. 341
glänzenden Tage in Goslar zu dem Versprechen, im Fall seines
Todes seinen jungen Sohn Konrad zum König zu wählen.
Man weiß, daß solche Eide unseren Königen zumeist dann ge—
schworen wurden, wenn sie im Begriffe waren, sich dem für die
Deutschen des Mittelalters mörderischen Klima Italiens aus—
zusetzen. Heinrich hatte schon früher in die italienischen
Wirren eingegriffen. Jetzt ging einer seiner Berater, Graf
Eberhard, als königlicher Gewaltbote nach der Lombardei,
erklärte die Anhänger der Pataria als Hochverräter an König
und Reich und verlieh das Erzbistum Mailand dem königs—
treuen Kaplan Tedald. Gleichzeitig fast besetzte der König
einige Bischofssitze in Mittelitalien mit Deutschen, und was
schlimmer war, er begann mit Robert Guiscard von Apulien
und Calabrien Verhandlungen, die zunächst zu einer Ver—
söhnung Roberts mit Richard von Capua führten, wie sie die
Kurie in ihrem Interesse bisher stets verhindert hatte.
Waren das die Anfänge der deutschen Politik in
Italien: was würde geschehen, erschiene erst Heinrich selbst
im Süden der Alpen? Für den Papst blieb nichts übrig
als ein Bruch mit dem König vor diesem verhängnisvollen
Augenblick, ein Bruch, der den Herrscher in Deutschland
zurückhielt.
Schon Alexander II. hatte gelegentlich über das frivole
Leben am Hofe des jungen Heinrich geklagt, wohl nicht mit
Unrecht; er hatte auch einige leichtsinnige Räte aus der Um—
gebung des Königs gebannt. Doch hatte die Nichtbeachtung
dieses Bannes durch Heinrich weder Alexander noch Gregor ab—
gehalten, mit dem Könige weiter über die allgemeinen Fragen
des Reichs und der Kirche zu verhandeln. Jetzt benutzte Gregor
die Rückkehr einer königlichen Gesandtschaft nach Deutschland
im Dezember 1075, um dem König in strengem und über—
legenem Tone zu schreiben: er solle diese Räte alsbald ent—
lassen; und als mündlichen Auftrag fügte er hinzu: er selbst
lebe unsittlich; bekehre er sich nicht ernstlich, so müsse er ihn
aus der Gemeinschaft der Gläubigen stoßen. Auch von der
möglichen Absetzung des Königs wurde gesprochen. Und das