Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 345
aus im Sinne Gregors, wenn König und Fürsten sich schließlich
dahin einigten, daß der papale Bischof nach Worms zurück—⸗
geführt werden sollte, daß die gebannten Bischöfe und Räte
aus Dienst und Umgebung des Königs entfernt werden sollten,
daß endlich der König dem Papste Worte der Ergebenheit
schreiben sollte. Daneben scheinen dann die Fürsten den Drang
des eigenen Interesses und die an sie herantretenden For⸗
derungen des Papstes noch in der Verabredung vereint zu haben,
daß das Reich als verwaist zu betrachten sei, sobald der Bann
Heinrichs Jahr und Tag andauere, daß aber bis zu diesem
Termin dem Papste die schiedsrichterliche Vermittelung zwischen
König und Fürsten zustehen solle.
Es war immerhin ein halber Triumph der Ideen Gregors:
während Heinrich entmutigt, ein Büßender, nach Speier entwich,
begab sich der Papst nach dem Norden Italiens, um unter
deutschem Geleit so rasch als möglich die Alpen zu überschreiten
und in glanzvoller persönlicher Anwesenheit auf deutschem Boden
zwischen König und Königsgetreuen zu richten.
Allein es kam anders.
Wahrend Gregor in der Lombardei ungeduldig des deutschen
Geleites harrte, traf ihn die Kunde, König Heinrich sei nicht
mehr in Speier, er habe die nebeldüstre und winterskalte Fahrt
über die Alpen gethan, er nahe. Wer kannte die Meinung
des Königs? Gregor flüchtete vor ihm nach Canossa, in die
feste Burg der Großgräfin Mathilde. Aber nicht zu strafen
war des Königs Absicht. Von der Wirkung eines unerhörten
Bannes getroffen, sehnte er sich nach der Lösung kirchlichen
Fluches; stolz auf die Würde des Königtums, wünschte er einen
Schiedsspruch des Papstes zwischen sich und seinen Vasallen
vermieden: und er ließ sich vermeiden, wenn der König des
Bannes ledig zur Heimat zurückkehrte.
Durch den unerwarteten Schritt Heinrichs wurden Gregors
Pläne völlig verschoben. Der König begab sich auf das Gebiet
kirchlicher Bußdiciplin, auf dem der Papst in seinen Handlungen
gebunden war. Der Bannstrahl des Papstes prallte auf den
zurück, der ihn entsendet hatte; Gregor war ohnmächtig gegen—