Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 347
Rudolf gewählt. Es war ein Ereignis, das der Papst im
Grunde zu verhindern versucht hatte; ein Doppelkönigtum
konnte ihn leicht zum Parteigänger machen, statt zum Richter.
Und schon suchten die Anhänger Rudolfs die Kurie zu sich
hinüberzuziehen; wie auf wesentliche weltliche Rechte des König⸗
tums so hat Rudolf auch auf die Mitwirkung bei der kanoni—
schen Wahl der Bischöfe verzichtet, ehe oder sobald er ge⸗
wählt war.
Andrerseits hätte der Papst, sprach er sich voll für Rudolfs
Königtum aus, weder sein diplomatisches Ziel erreicht noch für
die Kirche viel gewonnen. Das wäre nur der Fall gewesen,
wenn. Rudolf der vollen Zustimmung der Nation ——
wäre. Aber hiervon war nicht die Rede. Der niedere Klerus,
reformfeindlich, haßte ihn; die Dienstmannen des Reiches, groß
geworden durch die Salier, nahmen ihn nicht auf; die Bürger
der großen Städte höhnten ihn offen; die Mainzer haben ihn
noch an seinem Krönungstage aus der Stadt getrieben. Und
nun erschien König Heinrich von jenseit der Alpen im deutschen
Süden. Alles Volk fiel ihm zu; auf einem Reichstag zu Ulm,
Pfingsten 1077, ächtete er die süddeutschen Herzöge als Verräter
am Reiche. Rudolf sah sich bald auf Sachsen und Thüringen
beschränkt; die Quellen nennen ihn Sachsenkönig, so sehr sich
die Sachsen gegen diesen Ausdruck wehrten; seine Sache ver—
schmolz mit dem nordischen Aufstand.
Es war eine für Gregor höchst unerfreuliche Wendung.
Niemand fragte mehr nach Reform der Kirche und päpftlicher
Vermittlung, so oft und hartnäckig diese auch angeboten ward;
die Waffen beherrschten das Feld. Ihrem Entscheid, einem
germanischen Gottesurteil, mußte schließlich auch Gregor sich
fügen. Es fiel zu Ungunsten Heinrichs. Nach mannigfachen
Feldzügen und Plünderungen beider Parteien kämpfte Heinrich
am 7. August 1078 bei Mellrichstadt in Ostfranken ohne Ent—
scheidung, aber am gleichen Tage unterlag ein starkes, Heinrich
getreues Bauernheer den Parteigängern Rudolfs am Neckar.
Diesem Schlage folgte dann nach wiederholt erfolglosen Ver—
handlungen eine Niederlage zu Flarchheim, am 27. Januar 1080.