Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Uönigtum und Papsttum im Kampfe. 349 
die sächsischen Bauern, die den Kampf entschieden, verloren ihr 
Oberhaupt; König Rudolf büßte in der Schlacht die meineidige 
Rechte ein und erlag seiner Wunde noch am Tage des Sieges: 
Roudolfus rex, sancti Petri miles, migravit ad Dominum, 
meint eine süddeutsche Quellei. Es war ein Ereignis von 
großen Folgen. Denn wählten die Fürsten, die allein in der 
Zweiung des Reiches ihr Ziel landesherrlicher „Freiheit“ er— 
reichbar sahen, auch im August 1081 in dem Grafen Hermann 
von Salm einen neuen König, so gelang es diesem doch trotz 
mancher Erfolge nicht, auch nur das Ansehen Rudolfs zu 
erwerben. 
Heinrich konnte schon 1080 daran denken, den Kampf in 
Deutschland seinen Parteigängern zu überlassen, und sich nach 
Italien wenden, wider den großen Störer des deutschen Friedens, 
wider Gregor selbst. 
In Italien hatte mittlerweile die erneute Bannung des 
Königs den schlechtesten Eindruck gemacht. In Rom wäre es 
beinahe zum Aufruhr gekommen. In Tuscien fiel ein großer 
Teil der Vasallen der Großgräfin von dieser ab: sie wollten 
nicht gegen den König dienen. Und lauter Jubel erhob sich 
unter den Bischöfen der Lombardei ob der Nachricht, daß Hein— 
rich nahe, und mit ihnen fühlte der jetzt zu erneutem Ansehen 
emporsteigende Laienadel des Landes. So hatte Heinrich die 
italienischen Maßregeln gegen Gregor alsbald mit einem durch— 
greifenden Gegenschlag einleiten können. Er hatte auf einer 
Synode zu Brixen, am 25. Juni 1080, Gregor von neuem ab— 
setzen lassen und darüber hinaus der Wahl seines Kanzlers 
Wibert, Erzbischofs von Ravenna, zum Gegenpapste zugestimmt. 
Das war allerdings der entscheidende Schritt. Mochte 
Wibert, der den Namen Clemens III. annahm, der Reform der 
Kirche mehr oder minder günstig gesinnt sein: wie die Gegen— 
sätze sich entwickelt hatten, galt er als Vertreter des der Reform 
entgegengesetzten Prinzipes: indem der König ihn aufstellen 
ließ, gab er dem Königtum eine Wendung immer mehr gegen 
1 
Bern. Necrol., 88. 5, 362 3. 44; vgl. Bern. Chron. 1080.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.