Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsitum im Kampfe. 351 
in der Balkanhalbinsel, über die Grenzen Italiens hinaus: das 
legte ihre Heeresmacht zu andern als päpstlichen Zwecken fest 
und veranlaßte die Griechen, den deutschen König als Nor— 
mannenfeind mit Hilfsgeldern zu unterstützen. 
Unter dem sich verstärkenden Eindruck dieser Wandlungen 
kam es in Rom zu sonderbaren Dingen. Die Römer, halb 
eingeschüchtert, halb bestochen, schlossen mit König Heinrich 
einen geheimen Vertrag, wonach er die Belagerung der Stadt 
auf vier Monate unterbrechen sollte: während dieser Frist 
sollten die Römer entweder Gregor dazu bewegen, Heinrich 
vom Bann zu lösen und kaiserlich zu krönen, oder aber einen 
andern Papst wählen, der die Krönung vollzöge. 
Für Gregor blieben nur noch Mittel geistlichen Kampfes 
übrig. Er bannte Heinrich zum viertenmal. Er suchte die 
Häupter der Reformpartei mobil zu machen, indem er auf den 
November 1083 eine Synode nach Rom berief zur Beilegung 
des Streites mit Heinrich IV. Aber Heinrich achtete des 
Bannes nicht, und unbeirrt durch das scheinbar seinen Zielen 
so günstig gefaßte Programm der Synode verhinderte er deren 
Zusammentritt. Das Schicksal Gregors begann sich zu 
erfüllen. 
Während Heinrich im Anfang des Jahres 1084 einen Zug 
gegen die Normannen unternahm, entsprechend seinen den 
Griechen gegenüber eingegangenen Verpflichtungen, wurde der 
Sinn der Römer mürb; sie sandten Boten zum König, er möge 
in die Stadt zurückkehren und ihnen den Frieden bringen. Am 
21. März 1084 hielt Heinrich seinen feierlichen Einzug; er be— 
stellte eine Synode, Gregor nochmals abzusetzen und zu bannen; 
er ließ Clemens III. von den Römern wählen und feierlich 
inthronisieren und empfing mit seiner Gemahlin am 81. März 
1084 aus den Händen seines Papstes die kaiserliche Krone. 
Gregor hielt sich unterdes hartnäckig auf der von den 
Deutschen nicht eroberten Engelsburg. Da endlich nahte von 
Süden her Hilfe. Robert Guiscard rückte mit einem gewaltigen 
Normannenheer heran; es war nicht daran zu denken, daß sich 
der Kaiser gegen ihn hielte. Am 21. Mai verließ Heinrich
	        
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