Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 355
schon war die Kirche neben der weltlichen Gewalt als Friedens⸗
schützerin wirksam geworden. In allen Staaten nördlich der
Alpen hatte sie ihr Asylrecht für Verfolgte immer umfang—
reicher entwickelt; und in Frankreich hatte sie darüber hinaus
seit Ende des 10. Jahrhunderts die besondere Institution des
Gottesfriedens geschaffen und mit Erfolg verbreitet.
Daran hatten nun die Bürgerschaften des deutschen Nord⸗
westens, geführt von ihren Bischöfen, angeknüpft. In Lüttich
hatte Bischof Heinrich, einer der getreuesten Anhänger Kaiser
Heinrichs, im Jahre 1082 den Gottesfrieden für seinen Sprengel
verkündet; ein Jahr darauf war ihm Erzbischof Sigewin von
Köln gefolgt. Heinrich hatte die Lütticher Maßregel noch von
Italien aus bestätigt: es war klar, in welcher Weise er nach
seiner Heimkehr nach Deutschland vorgehen würde.
Im deutschen Bürgertum und darüber hinaus fanden die
königlichen Absichten lauten Anklang. Nach vergeblichen Ver—
handlungen mit den Sachsen brachte Heinrich auf einer Synode
zu Mainz die Verkündung des Gottesfriedens für das ganze
Reich zu Wege. Das gab dem Könige auch rein politisch neue
Kraft; er konnte Gregor und dessen Bischöfe nochmals absetzen
lassen und ächtete mit Erfolg den Gegenkönig Hermann. Er
hegann weiterhin erfolgreich mit den Sachsen zu verhandeln.
Diese Verhandlungen schritten unter dem Eindruck der Nach—
richt vom Tode Gregors VII. doppelt rasch vorwärts; fast alle
sächsischen Fürsten unterwarfen sich; ungestört durchzog Heinrich
das ehemals feindliche Land bis Magdeburg: der sächsische
Aufstand schien beendet. Heinrich aber gab seinen Erfolgen
gleichsam einen auch äußerlichen Abschluß, indem er seinen
treuen Anhänger, den Böhmenherzog Wratislaw, zum König
aber Böhmen und Polen erhob, zum Zeichen, daß es der kaiser—
lichen Hoheit wohl zustehe, Kronen zu verleihen; am 15. Juni
1086 unterzog sich Wratislaw zu Prag der feierlichen Weihe.
Es war der erste Höhepunkt neuer Macht, den Heinrich in
Deutschland erreichte. Aber sofort folgte ihm tiefes Sinken.
Wie Heinrich die ersten Jahre seiner Regierung mit Rat und
Hilfe der emporkommenden sozialen Schichten des platten
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