356 Siebentes Buch. Zweites Kapitel.
Landes, der Ministerialen und freien Herren geherrscht hatte,
zum Verdruß des alten Adels der Fürsten, so hatte er jetzt
jenen zukunftsreichen Stand der Bürger an sich herangezogen,
der ihn bisher schon, in den schlimmen Tagen von Tribur und
später, geschützt hatte. Es war eine Politik der Treue um
Treue, aber sie fand mit nichten den Beifall der Fürsten. Eine
fürstliche Koalition der Herzöge von Schwaben und Baiern und
des Meißener Markgrafen Ekbert, eines wüsten Haudegens, bil⸗
dete sich, der bald auch andere sächsische Fürsten und der Gegen⸗
könig Hermann zufielen; diese Koalition schlug den Kaiser bei
Pleichfeld, nordwestlich von Würzburg, am 11. August 10861.
Erreicht ward hier aber nur eine Schwächung des König⸗
tums, und auch diese nur auf kurze Zeit. Denn immer
übermächtiger begann sich über dem kampfesmüden Reiche und
seinen politischen, sozialen und religiösen Gegensätzen eine
Friedensstimmung zu lagern, die notwendig dem Königtum zu
gute kommen mußte. Sie gestattete Heinrich, im Oktober 1087
wieder in Sachsen zu erscheinen; sie half ihm den Gegenkönig
Hermann vertreiben, bis er in Lothringen sein verlorenes Leben
endete; sie erlaubte nach der Ermordung Ekberts, am 3. Juli
1090, die Beseitigung auch der letzten Reste des sächsischen Auf—
stands. Sie schuf überhaupt für das Reich einen ähnlichen
Zustand, wie etwa im Jahre 1085: man ward friedfertig, weil
man ohnmächtig war; man ordnete sich dem König unter,
soweit er sich aller größeren Maßregeln zur Stärkung seiner
Gewalt enthielt; man durchlebte Zustände des Genesenden, nicht
des Gesunden.
Heinrich handelte klug, wenn er in diesem Augenblick
Deutschland sich selbst überließ und der italienischen Politik
nachging.
Es ist bezeichnend, daß hier die deutschen Feinde des Kaisers, die
sich teilweise „Getreue des h. Petrus“ nannten, unter einem italienischen
Symbol gegen ihn fochten: sie sammelten sich um einen Carroccio, auf
dem ein hohes Kreuz mit roter Fahne stand. S. Meyer v. Knonau—
Jahrb. IV (1908) S. 126 ff.