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Fünftes Buch. Erstes Kapitel.
h. Petrus und seinem Stellvertreter unterwerfen, man wolle die
Ehrenabzeichen der erzbischöflichen Würde von Rom erbitten,
man werde allerwegen die Befehle des h. Petrus kanonisch be—
folgen!. Kein Bekenntnis unmittelbarsten Anschlusses an Rom
kann bündiger lauten.
Aber im gleichen Jahre zog sich der fromme Karlmann,
die eigentliche Seele der Kirchenreform, in die Ruhe des
Klosters zurück, und Pippin ward Herrscher des Gesamtreiches.
Jahrelang schon hatte er den eingehenden Verkehr Bonifazens
mit der Kurie mißtrauisch verfolgt, er war nicht gewillt, die
Landeskirche zu einer römischen Kirchenprovinz erniedrigen zu
lassen. Während Bonifaz, vom Könige zurückgesetzt, am Abend
seines Lebens Beruhigung und Trost gegen die neuen An—
fechtungen in dem Martyrium der friesischen Mission suchte und
fand, bereitete Pippin die Lösung der Frankenkirche vom Papste
vor. Im Jahre 78585 hielt er auf der Pfalz zu Verneuil,
zwischen Paris und Compiogne, einen Reichstag ab, der zugleich
Synode war, und verkündete stolz als gloriosissimus atque
religiosus inluster vir dessen Beschlüsse über Kirchenreform
als ein weltliches Kapitulare seines Reiches. Es sind Beschlüsse,
die neben der Wiederholung der bisherigen Bestimmungen
über Reform des kirchlichen Privatlebens für die oberste
Organisation der Kirche völlig neue Anschauungen aufstellen.
Sie führen die bisher noch immer bestrittene Metropolitan—
verfassung energischer durch: nicht mehr sollte, wie im wesent—
lichen bisher in der Person Bonifazens, ein einziges Haupt
der Kirche vorhanden sein und deren Anschluß an Rom leicht
vermitteln können. Es wird weiterhin bestimmt, daß jährlich
zwei Synoden stattfinden sollen, eine erste im Oktober, von
kirchlichen Notabeln berufen und geleitet, von vorbereitender
Bedeutung, und eine zweite im Frühjahr, vom König berufen
und in seiner Gegenwart gehalten, gesetzgebenden Charakters,
eine Ergänzung, wenn nicht ein integrierender Teil des jährlich
in Lenzeszeit gehaltenen Reichstags.
Ep. Bonif. 70, Jaffé S. 201.