Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 369 
an einsamer Stelle, mitten unter jenen alten alamannisch-— 
schwäbischen Klöstern, die um diese Zeit noch ein reiches, 
namentlich der Geschichtsschreibung gewidmetes Leben pflegten, 
ohne den päpstlichen Ideen kritiklos verfallen zu sein. 
Wilhelm verstand es bald, seinem Kloster, seiner Gegend, 
ja dem Südwesten des Reiches ein anderes Leben einzuhauchen. 
In engster Verbindung mit Cluny, dessen Askese und Unter— 
würfigkeitslehre er für das Leben der ihm untergebenen Mönche 
noch verstärkte, mit Gregor VII. seit dem Jahre 1075 in per— 
sönlicher Fühlung, machte er sein Kloster zur geistigen Rüststätte 
der Gregorianer in Deutschland. Hier weilten päpstliche Legaten, 
hier feierte der Gegenkönig Rudolf kirchliche Feste, hier war die 
Centralstelle des päpstlichen Nachrichtendienstes für Deutschland. 
Und wie weit breiteten sich bald die Herrschaftsbeziehungen 
des Klosters aus! In ganz Schwaben erwuchsen mönchische 
Kolonieen der neuen Observanz, zu St. Gregorius im Murgthal, 
zu St. Georgen an der Donauquelle, zu Zwiefalten, Weinheim, 
vor allem aber zu Schaffhausen, von wo aus Abt Siegfried, 
ein Hauptschüler Wilhelms, eine weite Wirksamkeit entfaltete. 
Und bald reichte der Einfluß Hirsaus über Schwaben hinaus; 
es gingen Brüder nach Franken und Hessen; in Thüringen 
wurden das hochragende Peterskloster zu Erfurt und das 
baumbeschattete Reinhardsbrunn bevölkert; in Baiern gehorchte 
Scheiern der Regel; in Kärnten faßten Hirsauer zu St. Paul 
im heißen Lavantthale Fuß. 
Nun gelang es allerdings nicht, die neue Kongregation in 
so einheitlicher Führung zu gleichsam einem neuen Orden zu— 
sammenzufassen, wie das in Cluny geschehen war; dem wider— 
—D 
dem Tode Wilhelms (am 5. Juli 1091) begann die Kongregation 
als Ganzes zu zerfallen. Allein die Wirkungen ihrer Thätigkeit 
setzten sich doch noch langhin fort, da sie es früh verstanden 
hatte, die Laienkreise in den Kreis ihrer Anschauungen hinein— 
zuziehen. Schon Cluny hatte neben den eigentlichen Mönchen 
sogenannten Konversen Aufenthalt im Kloster gewährt, Laien— 
brüdern vielfach edler Abkunft, die nicht selten von hochgehenden 
Lamprecht. Deutsche Geschichte II. 24
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.