Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 373 
Armut des Eremiten gewährleistet sah. Und noch zu seinen 
Lebzeiten ward das Ideal der christlichen Armut in Einsamkeit 
und der evangelischen Demut von italienischen Köpfen durch 
Begründung eines neuen Mönchsordens organisatorisch zu ver— 
wirklichen gesucht; im Jahre 1073 entstand der Grandimontenser— 
orden des Stephan von Tigerno. Doch verfiel der Orden rasch 
innerem Zwiste. Noch deutlicher trat dann das neue Ideal der 
christlichen Frömmigkeit nach der negativen Seite der Armut, 
Enthaltsamkeit und Einsamkeit hin im Karthäuserorden hervor, 
den Bruno, ein Patriziersohn aus Köln, der Rektor der Reimser 
Domschule, im Jahre 1084 in den einsamen Klüften der 
Chartrense bei Grenoble begründete. Indes den positiven In— 
halt gab dem neuen Leben doch erst Bernhard von Clairvaux, 
der große Heilige des Zeitalters. 
Robert, ein edler Mann aus der Champagne, hatte in einer 
Einöde des Bistums Chalons-sur-Saone im Jahre 1898 das 
Kloster Citeaux begründet, als einen Sitz der strengsten Lehre 
des heiligen Benedikt, deren wahrhafte Durchführung Robert 
in keinem der vielen von ihm besuchten Klöster hatte finden 
können. Aber das Kloster gedieh nicht, bis im Jahre 1112 
Bernhard, damals zweiundzwanzigjährig, eintrat, zugleich mit 
dreißig Genossen, die seine feurige Predigt und sein entsagungs— 
volles Beispiel mönchischem Gelübde gewonnen hatte. Mit ihm 
zog ein neues Leben überhaupt ein, nicht bloß in Citeaux, 
sondern in Frankreich, ja allenthalben in der abendländischen 
Christenheit. Eifer für strenge Zucht paarte sich bei ihm mit 
dem Streben nach grausamer, aber auch vergeistigter Askese!; 
Bernhards Stellung zur Askese ist zwiespältig. Einmal häuft er 
in äußerlichster Weise Marter auf Marter. Und dann wieder erklärt er 
die Demut des Herzens für wichtiger. Die vergeistigte Askese wird be— 
sonders durch Vacandard 1109 f. bestätigt (ogl. 144), die grausame durch 
Vacandard J 45. 227 ff. Vgl. auch Vacandard S. 141. 151: Aux yeux 
des gens du sièele nous avons l'air de faire des tours de force. 
Tout ce qu'ils désirent, nous le fuyons, et ce qu'ils fuient, nous le 
désirons, semblables à ces jongleurs et à ces danseurs qui, la tête 
en bas, les pieds en haut ... se tiennent debout... Auch der 
h. Franz spricht später in diesem Sinne von den ioculatores Dei.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.