Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

382 Siebentes Buch. Drittes Kapitel. 
die Beschäftigung der Geistlichen mit den weltlichen Sorgen 
für einen Bruch des göttlichen Rechts: daß die Diener des 
Altars zu Dienern des Hofes geworden seien, darin liege der 
Grund für den unerträglichen Brauch der königlichen Investitur. 
Allein kaum hatten die geistlichen Fürsten den Sinn seiner 
Worte recht verstanden und sich der Formel „Verzicht auf 
Reichsgut“ versichert, so erhob sich ein Tumult im Dome, daß 
der Papst nicht zu Ende zu lesen vermochte. Um der wider— 
wärtigen Scene ein Ende zu bereiten, zog sich Heinrich mit den 
deutschen Großen und Bischöfen in einen Nebenraum der Kirche 
zurück. Lange Zeit verging hier in Beratung; endlich erschienen 
die Deutschen und erklärten, bei aller Ehrfurcht vor dem Papst 
müßten sie diese Lösung verwerfen. 
Es war der von Heinrich anscheinend erwartete Augenblick. 
Während die Kardinäle zur raschen Krönung rieten, betonte er, 
der Papst habe den Vertrag nicht erfüllt, und verlangte Be— 
stätigung seines Investiturrechts. Als der Papst sich dessen 
weigerte, sprach der König von Verrat und verhaftete Papst, 
Kardinäle und päpstliche Unterhändler. Ein mittlerweile in der 
Stadt entstandener Aufruhr änderte seine Meinung nicht; er 
hielt fest, was er errungen hatte; als er sich in Rom nicht halten 
konnte, führte er den Papst mit sich fort auf die festen Burgen 
der Umgegend. Vergebens versuchte Mathilde von Tuscien, 
für den Papst einzutreten; Heinrich hielt ihn in sicherem Ge— 
wahrsam, bis am 11. April 1111 ein Vertrag zu Stande kam, 
wonach der Papst dem König das Investiturrecht einräumte, 
der König den Papst in Person, Würde und Besitz zu schützen 
versprach. Am 13. April krönte Paschalis Heinrich V. zum 
Kaiser, und der Papst gab dem Kaiser darauf das heilige Gut 
zum Zeichen glücklich erreichten Friedens zwischen Kirche und 
Reich. 
Die idealste Richtung der neueren kirchlichen Bewegung 
erschien in Paschalis durch den pfiffigen Sohn Heinrichs IV. 
überlistet; wie zum Hohne ließ Heinrich V. nach seiner Rück— 
kehr nach Deutschland am 7. August 1111 die sterblichen Reste 
seines Vaters pomphaft in den geweihten Räumen des Speierer
	        
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