Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

388 Siebentes Buch. Drittes Kapitel. 
geahnter politischer Bedeutung in ihren Territorien emporgediehen; 
sie beherrschten zum guten Teil die Geschäfte des Reiches. 
Empfand Heinrich dies Hemmnis schon im allgemeinen 
schwer, so doppelt schwer gegenüber der Entwickelung in Sachsen. 
In Sachsen war das Herzogtum im Verlaufe des In— 
vestiturstreites des geistlichen Gegengewichts entledigt worden, 
das die Erzbischöfe von Bremen bisher ausgeübt hatten; mit 
der Begründung des dänischen Erzbistums Lund im Jahre 
1104 brachen die stolzen Patriarchatshoffnungen der bremischen 
Kirche zusammen. Damit begann das sächsische Herzogtum sich 
viel freier zu bewegen, zumal in den Händen des energischen 
Lothar von Supplinburg; bisher auf den Nordosten des Landes 
beschränkt, nahm Lothar die Slawenpolitik der Ottonen wiederum 
auf! und suchte seine nächste Aufgabe vor allem in der Über— 
wältigung der zahlreichen Fürsten der westlichen und südlichen 
Landesteile. Diese Politik konnte Kaiser Heinrich nimmermehr 
dulden: glücklich durchgeführt und erweitert, hätte sie zur 
Sprengung des Reiches führen müssen. Und der alte Haß 
zwischen Saliern und Sachsen kam hinzu, um den Gegensatz 
zwischen Heinrich und Lothar zu hellem Streite anzufachen; 
auf einem Reichstag zu Bamberg, am 285. Juli 1124, forderte 
Heinrich von den Fürsten mit Erfolg die Aufstellung eines 
Heeres wider die Sachsen. 
Zum Feldzug ist es denn freilich nicht gekommen; am 
23. Mai 1125 starb Heinrich V., dreiundvierzigjährig, zu Utrecht. 
Man würde dem letzten Salier unrecht thun, wollte man an 
seine Thaten allgemein moralische Maßstäbe anlegen. Denn 
diese versagen in einer von Parteikämpfen zerrissenen Zeit, wo 
hüben und drüben das sittliche Urteil erstaunlich getrübt war. 
Daß er den Frieden zwischen Reich und Kirche wiederherstellte, 
ließ manchen über die Verwerflichkeit der angewandten Mittel 
hinwegsehen. Rücksichtslos brachte er darüber hinaus das An— 
sehen des Reiches zur Geltung, „in den Spuren Karls des 
Großen wandelnd“, wie eine englische Quelle bemerkte. 
VBgl. Band III2, S. 341 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.