Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 389 
III. 
Nach Heinrichs Tode schien es keinem Zweifel zu unter⸗ 
liegen, daß der Staufer Herzog Friedrich von Schwaben sein 
Nachfolger sein werde. Damals vierunddreißig Jahre alt, 
geschäftsgewandt und manuͤesfest, war er persönlich durchaus 
geeignet. Dem salischen Geschlechte aufs engste verwandt durch 
feine Mutter Agnes, eine Tochter Heinrichs IV., schien er, wie 
einst Heinrich II. die ottonische, so jetzt die salische Tradition 
fortsetzen zu können. Durch Heinrich V. in gewissem Sinne 
zur Krone designiert, entsprach er der gewöhnlichen verfassungs⸗ 
mäßigen Vorbedingung einer erfolgreichen Kandidatur. Seit 
kurzem mit Judith, einer Tochter des welfischen Baiernherzogs 
Heinrich, vermählt, glich er in seiner Person jene Rivalität 
der beiden großen oberdeutschen Fürstengeschlechter, der Welfen 
und Staufer, aus, die seit der Erhebung der Staufer zum 
schwäbischen Herzogtum sich immer stärker zu entwickeln be— 
gonnen hatte, und s chien dadurch Zeiten einer ruhigen Regierung 
zu verbürgen. 
Allein eben deshalb, wie als Führer der gegenpäpstlichen 
Partei in Deutschland unter Heinrich V., behagte er der kirch— 
lichen Opposition nicht. Und auch die Sachsen konnten seine 
Wahl nicht wünschen; er war Süddeutscher und hatte im 
Gegensatz zu den Bestrebungen des sächsischen Herzogtums die 
Geschlechter des südwestdeutschen Adels in Königstreue um sich 
gesammelt. Nun fanden aber die kirchlichen und sächsischen 
Antipathieen alsbald ihre Vereinigung in der Person des 
Mainzer Erzbischofs Adalbert: und Adalbert hat die Wahl 
Friedrichs vereitelt. 
Durch einen bisher unbekannten Wahlmodus brachte Adal⸗ 
bert die erstarkende Macht des Fürstentums gegenüber den 
sonstigen Teilnehmern an der Wahl energisch zum Ausdruck 
und wußte zugleich ein seinen Absichten günstiges Wahlkollegium 
zu schaffen. Aus ihm ging schließlich in völlig formloser Wahl, 
vom Volke nicht minder formlos begrüßt, Lothar von Sachsen 
als König hervor: erst sechs Tage nach seiner Erhebung gelang 
es dem Bemühen vornehmlich der päpstlichen Legaten, die
	        
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