Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

390 Siebentes Buch. Drittes RKapitel. 
Stimmen der Fürsten mit Ausnahme derjenigen Friedrichs von 
Schwaben vollständig auf ihn zu vereinigen. Lothar aber 
schränkte wahrscheinlich schon damals die Ausführungsbestim— 
mungen des Wormser Konkordates zu Gunsten der Kurie ein 
und erbat außerdem vom Papste die Bestätigung der Wahl. 
Den Ausschlag für Lothars Sieg gab aber schließlich nicht 
sowohl die sächsisch-gregorianische Partei als der welfische Herzog 
Heinrich von Baiern. Seine Gründe wurden bald offensichtig. 
Lothar besaß von seiner Gemahlin Richinza nur eine Tochter 
Gertrud; mehr als sechzigjährig, hatte er sich der Hoffnung auf 
weitere Nachkommenschaft begeben. Diese Tochter verlobte der 
König bald nach der Wahl mit Heinrich dem Stolzen, dem 
Sohne Herzog Heinrichs, der seinerseits durch seine Mutter ein 
Enkel des letzten Billunger Sachsenherzogs war und als solcher 
Anwartschaft besaß auf die lüneburgischen Güter des billungi⸗ 
schen Hauses. So schon in Sachsen halb heimisch, mußte der 
Sohn Herzog Heinrichs durch die Verlobung mit Gertrud Hoff— 
nung gewinnen auf die Verbindung der Herzogtümer Sachsen 
und Baiern in seiner Hand; es war die fast sichere Aussicht 
zugleich auf den Thron nach dem Tode des betagten Lothar. 
Was wog für Herzog Heinrich gegenüber einer so glänzenden 
Zukunft seines Geschlechtes die Thatsache, daß er im Fall der 
Wahl Friedrichs von Staufen Schwiegervater eines Königs 
geworden wäre? 
Mit dem Übertritt der süddeutschen Welfen zu Lothar 
klärten sich auch sonst die Gegensätze. Herzog Friedrich von 
Schwaben war der Feind der kirchlich Extremen. Lothar da⸗— 
gegen hatte zwar wenig Verständnis für ihre idealen Ziele; 
er war Simonist; er hatte in Sachsen fest dreingeschlagen, ein 
Kriegesheld; er war auch bei aller Unselbständigkeit keineswegs, 
wie die Zukunft zeigen sollte, ein kritikloser Anhänger der 
Gregorianer. Allein durch seine sächsische Vergangenheit wie 
durch die Art seiner Wahl war er zunächst auf die Seite der 
extrem Kirchlichen getrieben, und diese nahmen ihn jedenfalls 
ganz für sich in Anspruch und beeinflußten ihn überall. In— 
dem nun Heinrich von Baiern zu Lothar übertrat, vereinigten
	        
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