392 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
Politik in Unteritalien große Schwierigkeiten bereitete. Nach
dem Tode Wilhelms von Apulien hatte nämlich Roger von
Sizilien alsbald Anstalten getroffen, ganz Apulien zu erobern:
an Stelle der beiden normannischen Reiche, die die Kurie bis—
her gegeneinander ausgespielt hatte, drohte sich ein nor—
mannisches Großreich zu bilden, das dem Stuhle Petri ebenso
gefährlich werden konnte wie einst die deutsche und früher die
langobardische Ubermacht. Der Papst schritt dagegen durch
Bannung Rogers ein: vergebens: — am 22. August 1128
mußte er Roger mit dem eroberten Lande belehnen, und nur
so viel erreichte er, daß Capua als felbständiges Fürstentum
bestehen bleiben und Benevent Eigentum des heiligen Petrus
sein sollte. Von dem Augenblick aber schaute er sehnsüchtig
über die Alpen auf Lothar, auf deutsche Hilfe.
Lothar war noch mit dem Kampfe gegen die Staufer be—
schäftigt: hierzu ließ er sich die Bundesgenossenschaft der Kirche,
die mit Hinsicht auf die italienischen Verhältnisse eifrig gewährt
ward, gern gefallen, ohne im übrigen den königlichen Rechten
etwas zu vergeben: er verhielt sich abwartend. Als er dann
die Staufer als unterzwungen betrachten konnte, starb Papst
Honorius, am 14. Februar 1130.
Jetzt beherrschten die Adelsfamilien wieder einmal die
Papstwahl. Von den Anhängern der Frangipani wurde gänz⸗
lich unregelmäßig Innocenz II. erhoben. Drei Stunden später
trat ihm Pier Leone, das Haupt der Gegenpartei. als Anaklet IJ.
gegenüber.
Innocenz wurde aus Rom vertrieben und ging nach Frank⸗
reich; Bernhard von Clairvaux brachte ihm seine Huldigung
dar; aber bald gelangte er völlia in die geistige Gewalt
Bernhards.
In Deutschland war die neue Strömung schon durch zwei
außerordentliche Geister vertreten, die Erzbischöfe Norbert von
Magdeburg und Konrad von Salzburg: sie haben König Lothar
über die Bedeutung Innocenzens unterrichtet. Der König sprach
sich darauf für dessen Anerkennung aus gegenüber Anaklet II.