Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 893
Es war der entscheidende Schritt Lothars in seinem Verhältnis
zur Kirche und zum Papsttum.
Gleichzeitig mit der Anerkennung Innocenzens ward eine
Zusammenkunft von König und Papst zu Lüttich für den März
1131 verabredet; auf ihr sollte über den Frieden der Kirche
und das Heil des Reiches beraten werden. Die Begegnung
fand am 22. März unter großem Pompe statt; Lothar erwies
dem Stellvertreter Christi alle äußeren Ehren: er führte den
päpstlichen Zelter am Zaume, er hielt den Steigbügel. Das
hinderte ihn aber nicht, als Gegenleistung für die geplante
Romfahrt die Erweiterung des Investiturprivilegs anzuregen —
ein Thema, von dem er erst dann abging, als er auf den
energischen Widerspruch des heiligen Bernhard und vor allem
wohl der deutschen Bischöfe stieß.
Von Lüttich ging der Papst dann nach Frankreich zurück
und langsam dem Süden zu, um mit Lothar, der inzwischen
die Romfahrt vorbereitete, auf italienischem Boden zusammen—
zutreffen. Allein der König fand bei der Sammlung der
deutschen Kontingente ungewöhnliche Schwierigkeiten; dazu
unternahm er noch 1131 einen erfolgreichen Zug gegen den
König Magnus von Dänemark und gegen die Slawen in
Wagrien. Bei der allgemein herrschenden Zwietracht fanden
sich nur wenige zur Romfahrt ein; von den weltlichen Fürsten
war nur der Böhmerherzog williger. So erschien Lothar
schließlich in Begleitung Norberts mit 1500 Rittern jenseit
der Alpen: ein tollkühnes Unternehmen begann, das nur gelang,
weil der Papst inzwischen von sich aus in Italien Fuß zu
fassen begonnen, ja sich schon teilweise in den Besitz des bisher
als kaiserlich betrachteten Mathildischen Erbes in Tuscien zu
setzen gewußt hatte. Unter päpstlichem Vortritt, fast jede
größere Stadt vermeidend, rückte nun das deutsche Heer nach
Süden; gegen Ende April fand man sich vor Rom; am
30. April 1133 zogen König und Vapst gemeinsam in die
ewige Stadt ein.
Dem Einzug folgte am 4. Juni die Kaiserkrönung Lothars
und seiner Gemahlin im Lateran — Sankt Peter wurde noch