396 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
pereinfachtes Programm für die erneute Begruündung deutschen
Ansehens in Italien zur Folge hatten.
Wie wir wissen, hatte Roger von Sizilien seit dem Jahre
1127 seine Macht über Apulien ausgedehnt. Zu ihm war der
Gegenpapst Anaklet II. geflohen, hatte ihm kraft päpstlicher
Gewalt alle königlichen Rechte gewährt, hatte Capua und Neapel
mit seinem Reiche vereint, hatte die Hilfskräfte Benevents ihm
zur Verfügung gestellt: hatte alles gethan, um das von Rom
aus längst gefürchtete Großreich des Südens in seiner Ent⸗
stehung zu begünstigen: unter der einzigen Bedingung, daß
dessen König sich als Vasall des Papstes bekenne. Darauf
hatte Roger das Reich mit furchtbarer Strenge zusammen⸗
zuschweißen begonnen. Alle Teilfürsten, alle gelegentlich em⸗
pörten Mitglieder des Adels unterwarfen sich ihm schließlich;
im Jahre 1138 reichte seine Macht unmittelbar bis in die
Nähe Roms, Innocenz mußte vor ihm fliehen, und der Gegen⸗
bapst Anaklet saß wieder auf dem apostolischen Stuhle.
In diesem Augenblick trat Bernhard, die fleischgewordene
kirchliche Idee des Zeitalters, für Innocenz in die Schranken.
Er ging 1135 nach Deutschland, den Kaiser zur Hilfe zu ver⸗
anlassen. Und er hatte Erfolg. Lothar, damals Herr der
Dinge nördlich der Alpen, hatte auch seinerseits die Fort⸗
schritte Rogers zornig verfolgt; es erschien ihm an der Zeit,
bon Reichs wegen einzuschreiten: fast gleichzeitig mit Bernhard
empfing er eine griechische Gesandtschaft; mit der beriet er die
ersten Maßregeln zu einem kombinierten deutsch-griechischen An—
griff gegen die Normannen. Dann begann er, im Jahre 1136,
mit den größten Anstrengungen zu rüsten.
Bernhard war inzwischen nach Italien vorausgeeilt. Schon
früher hatte er Pisa und Genua, die Handelsfeinde der Nor⸗
mannen, gewonnen; jetzt bemächtigte er sich mit dem wunder⸗
barsten Erfolge seiner Reden der Stimmung in Mailand: überall
hob er das Ansehen Innocenz II.: mit Zuversicht sah er der
Ankunft des Kaisers entgegen.
Lothar stieg im September 1136 mit einem stattlichen
Heere nach Italien hinab; bald war er Herr der Lombardei