398 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
immer eindringlicher darüber belehrt, daß ein Papst nicht lassen
könne von dem Gedanken weltlicher Allgewalt der Kirche; nun
hinderte den Kaiser weder seine Frömmigkeit noch sein greises
Haar, den Standpunkt kaiserlichen Rechtes zu betonen. Der
Konflikt war ausgesprochen, als er ins Grab sank.
Der Papst aber wurde seiner weltlichen Ansprüche in
Italien nicht froh. Roger brach jetzt von neuem los; bald
war die frühere Herrschaft wieder in seinen Händen. Dann
drängte er gegen Rom selbst vor; Innocenz mußte die Waffen
gegen ihn ergreifen. Entsetzt sah die fromme Welt des Nordens
das Schauspiel päpstlicher Kriegsführung; es schloß damit, daß
der Papst mit seinen bedeutendsten Anhängern kriegsgefangen
in die Hand des Sizilianers fiel, am 22. Juli 1189. Darauf
kam es zum Friedensschluß; Innocenz mußte das von dem
Gegenpapst Anaklet gemachte Zugeständnis eines großnor—
mannischen Reiches bestätigen. Das weltlich-hierarchische
Papsttum endete mit einer vollkommenen Demütigung, während
das deutsche Königtum es verstanden hatte, seine Rechte, wenn
auch nicht immer theoretisch, so doch in ihrer praktischen Hand—
habung, zu wahren.
IV.
Lothar hatte sterbend seinen Schwiegersohn zum König
designiert; Inhaber der Gewalt in Tuscien, Herzog von Baiern
und Sachsen, Erbe der Allodien Lothars, erschien dieser auch
im Reich als natürlicher Nachfolger.
Aber wie die extrem Kirchlichen nach dem Tode Heinrichs V.
die Wahl des staufischen Friedrich vereitelt hatten, so waren
sie diesmal nicht gewillt, den Welfen Heinrich zu wählen. An—
maßend war er in Italien dem Papste und der Kirche entgegen⸗
getreten; zudem war er der Schwiegersohn Lothars, der in
beginnendem Zwist mit der Kirche gestorben war.
So kam es der Partei darauf an, einen andern Kandidaten
zu finden. Dieses Geschäftes nahm sich nach dem Tode Adalberts
von Mainz der schlaue Wallone Albero, Erzbischof von Trier,
an. In noch unregelmäßigerer Weise als einst Adalbert betrieb