Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 21 
Er brach nach Italien auf; in zwei Feldzügen besiegte er die 
Langobarden; seit 756 befand sich der römische Dukat und der 
größte Teil des Exarchates endgültig im Besitze der Päpste: das 
Patrimonium Petri war begründet, das Papsttum ausgestattet 
mit Land und Leuten, mit den Sorgen und Vorteilen halb 
unabhängiger weltlicher Herrschaft. 
Wie gern hätten die Päpste der späteren Regierungszeit 
Pippins diese Machtstellung Roms erweitert und völliger ver— 
selbständigt gesehen! Allein Pippin war in dieser Richtung zu 
keinerlei ernsten Schritten zu bewegen. Wie er dem fränkischen 
Klerus den landeskirchlichen Charakter in jeder Weise zu wahren 
und zu erwerben versuchte, so hielt er die politische Abhängigkeit 
der Päpste vom Frankenreich aufrecht in den einmal bestimmten 
Grenzen. Mehr als ein. Jahrzehnt hat er diese politische 
Richtung bewahrt, sie war neben der Eroberung Aquitaniens 
und der Unterwerfung Alamanniens das kostbarste Erbteil, das 
er seinem Sohne, dem großen Karl, hinterließ. 
III. 
Karl regierte anfangs gemeinschaftlich mit seinem Bruder 
Karlmann; eine Frucht ihrer vereinten Anstrengungen ist 
die nochmals durchgeführte Unterwerfung Aquitaniens, das 
bei dieser Gelegenheit die ihm bisher nach manchen Rich⸗ 
tungen hin noch belassene Selbständigkeit verlor und nunmehr 
völlig nach fränkischem Verwaltungsstil in Grafschaften organisiert 
ward. Im übrigen waren die Brüder sehr verschiedener Art 
und trotz letztwilliger Ermahnungen Pippins und späterer Ver⸗ 
mittlungsversuche ihrer Mutter Bertha im Herzen einander 
feind: so daß es ein Glück für Herrscherhaus und Reich war, 
als Karlmann im Jahre 771 frühen Todes starb. Von nun 
ab herrschte Karl allein; ein etwa vorhandenes Erbrecht seiner 
Neffen, der Söhne Karlmanns, hat er nicht anerkannt. 
Die Aufgaben der neuen Regierung lagen von vornherein 
im Osten des Reiches; die Westgrenze ward vom Meer geschützt, 
das hier noch nicht von Wikingerschiffen durchkreuzt ward; nur im
	        
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