Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisfertum zugleich. 399
er die Wahl; ohne Beisein der Sachsen und Baiern, nur von
oerhältnismäßig wenigen Großen ward sie am 7. März 1138,
vor dem eigentlichen Wahltermin und am unrechten Orte, zu
Koblenz, gethätigt: König ward Konrad von Schwaben; ein
—EDV
Es war ein in jedem Betracht unerhörter Vorgang. Und
König war nun ein Staufer, den die Kirche noch kurz vorher
gebannt hatte, ein Sproß aus dem so oft verfluchten Drachen—
blute der Salier. Albero wußte gleichwohl, was er gethan
hatte. Denn Lothars überaus rücksichtsvolle Kirchenpolitik
wurde von Konrad fortgesetzt. Konrad war mit allen persön—
lichen Tugenden des germanischen Mannesideals geschmückt: er
war schön, heiter, mild, tapfer; die Nation hat trotz aller
späteren Verkehrtheiten immer wieder an ihn geglaubt. Aber
als Privatmann zu allem Guten geboren, ermangelte er der
königlichen Gaben: energisch in der Einzelhandlung, war er
gleichwohl kein Herrscher; kriegsmutig, besaß er trotzdem keinerlei
Eigenschaften des Feldherrn, von weitsichtiger Phantasie, ent⸗
behrte er dennoch des konsequenten Scharfblicks des Staats—
manns. So war er der richtige Mann für die Bestrebungen
der Hierarchen.
Gratian stellte eben jetzt sein Dekret zusammen und ver—
wirklichte darin das Ideal Pseudoisidors. Aus der Theorie
wurde es jetzt immer mehr zur Praxis: jede Sache, die an sie
kam, erledigte die Kurie, ohne freilich im mindesten die er—
staunlich gehäuften Geschäfte bewältigen zu können. Recht und
Gerechtigkeit wurden dadurch ins Wanken gebracht: derselbe
Papst konnte ganz entgegengesetzte Urteilssprüche fällen. Kein
Wunder, daß, während das Papsttum zu herrschen wähnte, die
Mißstimmung allenthalben bedrohlich wuchs!. So gelang es
überraschend schnell, den neuen König in den Sattel zu setzen.
Nicht lange, und Herzog Heinrich von Baiern und Sachsen,
—
unterwarf auch er sich: er sandte die Reichsinsignien an Konrad.
Hauck IV (1902) S. 156 ff.