—*
Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
Allein Konrad, durch die raschen Erfolge über das Maß
seiner Kräfte getäuscht, ging gleichwohl gegen ihn vor; ver—
mutlich forderte er von ihm die Herausgabe eines Herzogtums,
Baierns oder Sachsens. Es war ein verhängnisvoller Schritt,
der den alten Zwist zwischen Staufern und Welfen von neuem
entfesselte. Und Konrad hielt sich für stark genug, sich gleich—
zeitig auch den zähen Stamm der Sachsen zu verfeinden, indem
er das Heinrich nunmehr abgesprochene sächsische Herzogtum ohne
Vorfrage bei den Großen des Landes an den Askanier Albrecht
den Bären vergab.
Jetzt hieß es Krieg führen gegen Baiern und Sachsen zu—
gleich. Es geschah mit wechselndem Erfolge; und noch mitten
im Kampfe starb Herzog Heinrich, kaum fünfunddreißig Jahre
alt, am 20. Oktober 1139, und hinterließ seine Ansprüche einem
zehnjährigen Knaben, Heinrich dem Löwen. Auf dem Reichs—
tage in Frankfurt, am 10. Mai 1142, kam es darauf zu einem
für die Sachsen und Welfen verhältnismäßig günstigen Ab—
schluß. Den sächsischen Fürsten wurde einfach verziehen; ja,
Konrad bemühte sich noch, Albrecht, den er erfolglos zum
Sachsenherzog ernannt hatte, ihnen gegenüber wieder in die
alten Beziehungen zu bringen. Die welfische Frage aber ward
auf sehr einfache Weise anscheinend gelöst. Gertrud, Tochter
Kaiser Lothars, Witwe Heinrichs des Stolzen, Mutter Hein—
richs des Löwen, damals 27 Jahre alt, heiratete Heinrich von
Osterreich, den jüngsten Halbbruder König Konrads: wieder
einmal sollte eine Verschwägerung die alten Gegensätze der Ge—
schlechter der Staufer und Welfen ausgleichen. Noch in Frank—
furt wurde vierzehn Tage lang die Hochzeit gefeiert. Heinrich
der Löwe aber ward Herzog von Sachsen, während Baiern, auf
das er verzichtete, später (1148) an Heinrich von Ästerreich fiel—
Die Lösung hätte vielleicht genügt, wäre Konrad im stande
gewesen, jeden unmittelbaren Widerspruch dagegen niederzu—
schlagen. Davon war aber nicht die Rede. Der süddeutsche
Graf Welf, Oheim Heinrichs des Löwen, erhob alsbald An—
sprüche auf Baiern, trotz des Verzichtes seines Neffen; der
staufische Vollbruder des Königs, Friedrich von Schwaben, und