Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 403
Boden; schon Weihnacht 1145 erklärte König Ludwig die Ab—
sicht der Kreuzfahrt.
Doch in die Massen drang der Gedanke erst, als sich der
heilige Bernhard, vom Papste beauftragt, seiner annahm. Mit
dem ganzen Feuer seines Wesens trat er auf; auf der Oster—
synode des Jahres 1146 zu Veézelay bei Nevers wußte er aller
Sinn zur heiligen Fahrt hinzureißen; seinem Volke vorweg
heftete sich König Ludwig jetzt sichtbar das Kreuz an.
Inzwischen hatte die französische Bewegung seltsame
Strömungen nach Deutschland getrieben. Rudolf, ein weg—
gelaufener Mönch aus dem Kloster des heiligen Bernhard, predigte
zunächst in Lothringen die Kreuzfahrt, zugleich aber forderte er
zum Judenmord auf; und wie im Jahre 1096 so sprang auch
diesmal die reine Flamme religiöser Begeisterung verheerend
über auf die unglücklichen Häupter des Volkes Israel. Diese
Wendung empörte den heiligen Bernhard. Sofort richtete er
ein Manifest an den Erzbischof von Mainz; dann folgte er
selbst seinen Worten über die Grenze. In Mainz beseitigte er
Rudolf, und über ihn weg erhob er nunmehr seine begeisterte
Stimme zur Rettung der Stätten des Heilands. Sie hatte
unglaublichen Erfolg. Niemand verstand das Einzelwort des
Fremdsprachigen, aber jedermann ging die schmeichelnde und
zürnende, die leis bewegte und die zu Donnern schwellende
Sprache des zerfasteten Propheten durchs Herz. Man drängte
sich zur Kreuznahme, man drängte sich noch mehr zum Abte
selbst: schon galt er als Heiliger, als Wunderthäter. Da
glaubte man Blinde sehend, Stumme redeten, Lahme warfen
die Stützen ihrer Schwäche von sich und wandelten lobsingend;
ein Zeitalter der Lösung alles Gebrestes schien erstanden.
Während aber das Volk ihm zujauchzte, vollbrachte der
Abt das Wunder aller Wunder, wie er selbst es nannte, die
Bekehrung König Konrads zum Kreuzzug.
Vergebens hatte Bernard den König zu Speier am Weih—
nachtstage des Jahres 1146 zur frommen Fahrt gemahnt: der
Sinn des Königs stand nach Italien; dem Kampfe gegen Roger,
der Befreiung des Papstes sollte seine nächste Zukunft gehören.
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