Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Siebentes Buch. Drittes Kapitel. 
Da, am 27. Dezember, in der Messe zu Johannes des Evan— 
gelisten Minne, während der König ahnungslos der stillen Feier 
beiwohnte, erhob sich Bernhard des Geistes voll und von Gottes 
Stimme getrieben!. Er redete zum König von der Fahrt, die 
seine Seele thun werde nach seinem Tode durch die Schrecken 
der Finsternis, vom Richtstuhl Christi und von der Stimme, 
die da spricht: „Mensch, habe ich nicht alles für dich gethan, 
dessen du bedurftest?“ Und dann redete er von dem Guten, 
das dem König allzeit geschehen, und er sprach von seines 
Leibes Gesundheit und von seines Geistes Kraft und von 
seinem Reiche und seiner Macht. Da stürzten dem König 
Thränen aus den Augen; „nicht undankbar will ich erfunden 
werden,“ rief er aus, „dem Herrn will ich dienen, da er mich 
ruft.“ Und alsbald weihte er sich der heiligen Reise übers 
Meer und empfing unter dem tausendstimmigen Rufe der 
Gläubigen die Fahne des Altars aus der geweihten Hand des 
Abtes von Clairvaux. 
Es war der größte Tag in dem an Wundern überreichen 
Leben Bernhards; er drückte das Siegel auf die Predigt des 
zweiten Kreuzzugs. Der Papst freilich war mit nichten erbaut 
davon, daß Bernhard den deutschen König so hart mit seiner 
süßen Lehre gemahnt hatte; er warf ihm vor, daß er das Kreuz 
ohne päpstliche Erlaubnis genommen habe, und mußte von dessen 
Einfalt die Gegenrede hören, der heilige Geist selbst habe ihn 
berufen und ihm zum Einholen päpstlichen Rates keine Zeit 
gelassen. Die Kreuzfahrer aber fragten nichts nach den Kümmer— 
nissen des Papstes; gleichgültig gegen Papismus und Nicht— 
papismus brauste ihre Begeisterung über die Kurie dahin, wie 
sie ähnlich einstmals über Kaiser Heinrich erbraust war. 
In Deutschland kam auf einem Reichstag zu Frankfurt 
ein allgemeiner Reichsfriede zu stande; Heinrich der Löwe 
wurde mit seinen bairischen Ansprüchen auf die Zeit nach der 
Fahrt vertröstet. Heinrich, Konrads zehnjähriger Sohn, ward 
zum König gewählt; Konrads Freund, Wibald von Stablo, 
8S. Bernardi Vita Prima VI 4, 15 bei Migne, Patrologia 
Latina 185 S. 382 A.
	        
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